Kommentar

Schreiner verlieren GAV: Jetzt sollten die Sozialpartner dringend einen Schritt aufeinander zu machen

Die Schreinerbranche steht ab 2021 ohne GAV da. Die Sozialpartner schieben sich die Schuld dafür gegenseitig zu. Leidtragende sind die Angestellten.

Christopher Gilb
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Christopher Gilb, Wirtschaftsredaktor

Christopher Gilb, Wirtschaftsredaktor

Niemand will Schuld daran gewesen sein, dass ab 2021 vermutlich über 30000 Schreinerinnen und Schreiner in der Schweiz erstmals seit neun Jahren ohne Gesamtarbeitsvertrag (GAV) dastehen. Und dass die Branche damit beispielsweise über keinen garantierten Mindestlohn mehr verfügt, und Schreiner bei Weiterbildungen vorerst tiefer in die eigene Tasche greifen müssen, weil mit dem GAV auch ein entsprechendes Rückvergütungsgefäss wegfällt. Die Gewerkschaften fühlen sich hintergangen und sehen die Schuld beim Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten. Der Vorwurf: Statt das verhandelte Gesamtpaket habe dieser zwei getrennte Vorlagen zur Abstimmung vorgelegt – mit dem Ergebnis, dass ein Teil des Verhandlungspakets abgelehnt wurde. Der Verband wiederum wirft den Gewerkschaften Unia und Syna eine Art Blockadehaltung vor: Statt sich für eine Übergangslösung einzusetzen, würden diese zusammengefasst ihre Agenda durchdrücken wollen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Beide Seiten bedienen damit den Zeitgeist. Ob bei Rahmenabkommen oder Brexit, es scheint wichtiger geworden zu sein, das eigene Gesicht zu wahren, als einen Schritt aufeinander zuzumachen. Doch das wäre bitternötig. Denn ist der GAV erst einmal weg, kann der Weg zurück bekanntlich ein steiniger sein. Die Leidtragenden des vertragslosen Zustands sind die Angestellten.