Kommentar
Süssigkeiten an der Kasse verbieten? Grenzen setzen ist Teil der Erziehung

Der Bund plant eine neue Empfehlung an die Adresse der Grossverteiler: Sie sollen Supermarktkassen von ungesunden Produkten säubern. Aber: Was gut gemeint ist, bringt auch so niemandem etwas.

Jürg Ackermann
Jürg Ackermann
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An vielen Supermarktkassen locken Bonbons, Schokoladenriegel und Kaugummi.

An vielen Supermarktkassen locken Bonbons, Schokoladenriegel und Kaugummi.

Bild: Sandra Ardizzone

«Darf ich etwas Süsses? Wir hatten schon lange nichts mehr!» Eltern kennen diese Diskussionen, wenn sie mit Kindern einkaufen gehen und vor der Kasse auf prall gefüllte Regale mit Schokoriegeln und Bonbons blicken. Der Bund will diesen Eltern nun helfen. Indem er Grossverteilern rät, die verführerischen Produkte von exponierten Orten zu verbannen.

Natürlich kann man sich fragen, ob es Aufgabe der Behörden ist, den Detailhändlern Empfehlungen zu geben, wo sie welche Produkte platzieren sollen. Doch das ist gar nicht der entscheidende Punkt. Was gut gemeint ist, bringt auch so niemandem etwas. Auch nicht den Eltern, die irgendwann festlegen müssen, wie oft ihre kleinen Kinder Süssigkeiten essen dürfen.

Ähnlich verhält es sich mit der Bildschirmzeit. Auch hier liegen die Versuchungen (Fernseher, Handys) oft nahe. Und auch hier ist es wichtig, Limiten zu setzen. Die Kinder können dabei lernen, dass nicht alles sofort verfügbar ist, auch wenn es so scheint. Denn wer uferlos Zeit vor dem Bildschirm verbringt, schneidet in Tests oft schlechter ab. Wer zu viele Süssigkeiten isst, hat gesundheitliche Nachteile. Kinder, die sich nie beschränken müssen, schaffen das später auch als Erwachsene kaum.

Die familieninternen Diskussionen darüber sind kräftezehrend, zuweilen mühsam, aber ein wichtiger Teil der Erziehung, den einem als Eltern niemand abnehmen kann. Egal ob die Gummibärchen nun vor der Kasse oder hinten im Supermarkt liegen.