Kommentar

Luzerner Theaterpläne: Denkmalschutz ist nicht das alleinige Mass aller Dinge

Ein künftiger Theaterbau an der Reuss muss sich in die historische Kulisse einfügen. Das ist unbestritten. Aber wirtschaftliche und künstlerische Interessen sind genauso wichtig.

Robert Knobel
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Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region

Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region

Die Eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz sowie für Denkmalpflege haben erneut klargemacht, was sie von den Luzerner Theaterplänen halten: Der vorgesehene Erweiterungsbau neben der Jesuitenkirche würde das Ortsbild schwerwiegend beeinträchtigen. Daran ändert auch der Erhalt der historischen Nordfassade nichts.

Man könnte nun sagen, die Kommissionen erfüllen einfach ihre Aufgabe – den Wert von Gebäuden und Ortsbildern zu beurteilen. Doch die Stellungnahme kommt teils geradezu arrogant daher: Das Ortsbild habe oberste Priorität, die Bedürfnisse des Theaters müssten sich unterordnen. Doch ein neues Theater muss nicht bloss die historische Kulisse der Innenstadt bedienen. Auch Bau- und Betriebskosten müssen im Lot sein, es muss künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten bieten und die Bedürfnisse des Publikums erfüllen.

Doch kann man die Forderungen aus Bern erfüllen und gleichzeitig einen wirtschaftlich und künstlerisch sinnvollen Theaterbetrieb führen? Falls nicht, bleibt nur, einen neuen Standort zu suchen oder mit dem Bund auf Konfrontation zu gehen. Beides birgt Risiken. Doch selbst wenn ein Einsprecher die Stadt vor Gericht zöge, so wäre das Denkmalgutachten nicht das alleinige Mass aller Dinge. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Interessen müssten genauso beachtet werden wie die Tatsache, dass an der Reuss schon seit 180 Jahren Theater gespielt wird – auch das hat einen historischen Wert!

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