Kolumne

Das Vertrauen in die Medien ist (wieder) da

Was die Sonntagsrede in Krisenzeiten wert ist, zeigt sich derzeit Tag für Tag: Die Menschen vertrauen sehr wohl ihren Medien, die sich in grosser Ernsthaftigkeit darum bemühen, gut zu informieren.

Christian Mensch
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Christian Mensch

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CH Media

Es ist erst wenige Wochen her, seit Eric Gujer, der Chefredaktor der NZZ, einen Leitartikel mit der Frage übertitelte: «Kann man Medien noch vertrauen?» Da – mit Bertolt Brecht gesprochen – mit einer Frage, die so rhetorisch gestellt ist, meist die Antwort schon gegeben ist, argumentierte Guyer überraschungsfrei: Das teilweise Gehabe der Medienschaffenden, sich wenig um die Bedürfnisse ihrer Kunden zu kümmern, könne schon Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Medien aufkommen lassen. Wenn eine Redaktion wie die seine jedoch sich aber an den hehren Zielen des Journalismus orientiere, dann brauche sie sich um das Vertrauen ihrer Leser nicht zu sorgen.

Was die Sonntagsrede in Krisenzeiten wert ist, zeigt sich derzeit Tag für Tag: Die Menschen vertrauen sehr wohl ihren Medien, die sich in grosser Ernsthaftigkeit darum bemühen, gut zu informieren. Dabei geht es nicht nur darum, rasch und umfassend die behördlichen Massnahmen zu verbreiten, sondern im besten Sinne um Lebenshilfe.

Die Redaktionen haben dabei täglich neu die Balance zu finden, weder Ängste zu schüren, noch Gefahren zu verharmlosen. Zuschriften gelangen nun an die Redaktionen, die sich die häufig gescholtenen Medienschaffenden nicht gewohnt sind. Ein Leser aus Basel schreibt: «Die Journalistinnen und Journalisten erfüllen in diesen Tagen eine angesichts der Tragweite der Lage schwierige Informationsaufgabe, aber sie tun dies in bewundernswerter Art und Weise.» Eine Leserin aus St. Gallen meint: «Gerne möchte ich mich einfach bei Ihnen bedanken, dass es die Zeitung noch gibt.»

Das doppelte Vertrauen gilt es zu bewahren – das der Nutzer in ihre Medien und das der Journalisten in ihre Arbeit.