Medienkolumne
Netflix stürzt ab: Die Streamingwelt zerfällt in verschiedene Kontinente – das schafft Piraten

Zum ersten mal seit der grossen Expansion verliert Netflix Nutzer. Das liegt an der erstarkten Konkurrenz und wird zum Problem für die ganze Branche.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Es hat nicht platz für alle Streaming-Portale.

Es hat nicht platz für alle Streaming-Portale.

Keystone

Internetpiraterie war einmal ein viel diskutiertes Problem. Dann kam Netflix und macht es verlockend einfach, mit einem einzigen Monatsabo eine Vielzahl von Filmen und Serien zu streamen. Wer will sich noch mühsam auf Tauschbörsen Blockbuster und Indie-Highlights zusammenklauben, wenn er nutzerfreundlich alles auf einem Portal präsentiert bekommt?

Für guten Service sind die Menschen eben doch bereit, Geld auszugeben. Nun sinken die Nutzerzahlen von Netflix zum ersten Mal seit der grossen Expansion. Die Leute springen ab zu Disney+, weil sie «The Dropout» sehen wollen, oder zu Apple TV+, weil sie «Foundation» streamen möchten, oder zu Sky, weil eine neue «Westworld»-Staffel ansteht.

Einst lautete die Losung: Ein Portal, um sie alle zu streamen. Damit ist Schluss. Seit jeder grosse Medienkonzern einen eigenen Streaming-Dienst hat und auch die Tech-Firmen mitmischen wollen, teilt sich die Streaming-Welt auf verschiedene Kontinente auf, die immer mehr auseinanderdriften. Der Wunsch nach einem einzigen Portal, auf dem es alles gibt – egal ob es von Netflix, Disney, HBO oder Apple stammt –, wird immer grösser. Auf den illegalen Tauschbörsen und Download-Portalen sind nach wie vor so gut wie alle Serien und Filme zu finden. Gut möglich, dass wir in Zukunft wieder mehr über Internet- piraterie diskutieren.