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[TEST] Mit Kalkül zur Aufmerksamkeit

Kommentar zum Theaterskandal in Konstanz
Sascha Gierga

Hat das Theater Konstanz alles richtig gemacht? Es sieht ganz danach aus. Täglich wird über das kleine Stadttheater berichtet, lokal, überregional, und inzwischen sogar international. Grund ist die Ankündigung des Theaters, wer zur Premiere von George Taboris Farce «Mein Kampf», die auf Hitlers Geburtstag terminiert wurde, eine Hakenkreuzbinde trägt, erhält eine Freikarte.

Auch an der Pressekonferenz vom Dienstag wurde man diesen Eindruck nicht los: Das alles ist ein grosses PR-Spektakel. Ausgelöst von den Theaterschaffenden selbst. Er habe noch nie erlebt, dass so viel über das Theater diskutiert werde, sagte Regisseur und Kabarettist Serdar Somuncu. Diese Aufmerksamkeit sei nicht seine Absicht gewesen, aber man freue sich, dass das Stück kontrovers besprochen werde.

Nur: Es ist nicht das Stück, das kontrovers besprochen wird, noch nicht mal die Inszenierung, sondern lediglich der Einfall, die Zuschauer mit einem Davidstern oder einem Hakenkreuz auszustaffieren und sie so zum Mitmachen zu animieren.

Wie fühlt man sich als Theaterzuschauer mit Hakenkreuzbinde? Kommt darauf an, wes Geistes Kind man ist. Mit dem Davidstern immerhin darf man seine gute Gesinnung zeigen. Verständlich, dass nicht nur jüdische Verbände konsterniert reagieren.

Wenn Regisseur Somuncu und seine Theatercrew sich echauffieren, dass schon 50 Anfragen nach Hakenkreuz-Freikarten eingegangen sind, ist das naiv. Wer das Spiel eröffnet, darf sich nicht wundern, wenn es jemand mitspielt.

Warum Zuschauer sich eine Freikarte besorgen, ist unklar. Vielleicht hegen sie wirklich nationalsozialistisches Gedankengut. Vielleicht sind es aber auch nur Zuschauer, die aus Neugier mitspielen wollen. Wenn sie der Regisseur schon vorab beschimpft, ist das billig.

Nach all der Aufregung um den Konstanzer Einfall bleibt ein schaler Nachgeschmack. Dieser erinnert an die Rapper Kollegah und Farid Bang, die mit antisemitischen Zeilen um Aufmerksamkeit heischen. Das Theater Konstanz reklamiert mit zweifelhaften Mitteln einen moralischen Anspruch. Doch das Kalkül bleibt dasselbe.

Julia Nehmiz

julia.nehmiz@tagblatt.ch

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