Neue Anti-Terror-Front in der Sahel-Zone: Macron fordert Europa zum Handeln auf

Emmanuel Macron will eine «Sahel-Koalition» unter französischer Führung zimmern - mit den Deutschen und Amerikanern, aber ohne Russen. Die Krise im Herzen Afrikas spitzt sich derweil weiter dramatisch zu. 

Stefan Brändle aus Paris
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Noch werfen die Konflikte im Sahel ihre Schatten nicht bis nach Europa. Doch das könnte sich ändern, wenn der alte Kontinent Frankreich bei seinem Anti-Terror-Einsatz in Afrika nicht unterstützt, warnt Emmanuel Macron (Mitte). (Bild: Keystone)

Noch werfen die Konflikte im Sahel ihre Schatten nicht bis nach Europa. Doch das könnte sich ändern, wenn der alte Kontinent Frankreich bei seinem Anti-Terror-Einsatz in Afrika nicht unterstützt, warnt Emmanuel Macron (Mitte). (Bild: Keystone)

Das Gipfeltreffen in der französischen Pyrenäenstadt Pau dauerte nur ein paar Stunden. Zeit genug für Präsident Emmanuel Macron, seinen fünf Amtskollegen aus Mali, Niger, Burkina Faso, Tschad und Mauretanien ins Gewissen zu reden. Das Resultat: eine Schlusserklärung, die den französischen Militäreinsatz gegen die vorrückenden Jihadisten in Westafrika ausdrücklich gutheisst. 

Konkret versprach Macron, die französische Operation «Barkhane» mit 220 zusätzlichen Soldaten zu verstärken. Die Operation soll sich nicht mehr nur auf das Wüstengebiet in und um Nordmali konzentrieren, sondern auch auf das Grenzgebiet mit Burkina und Niger, wo die islamistische «Terrormiliz IS Grand Sahara» seit Monaten ein Blutbad ums andere anrichtet. Im Zentrum Malis soll die Uno-Truppe Minusma stärker in Erscheinung treten, und in der Tuareg-Stadt Kidal soll die malische Armee zum Rechten sehen.

Anti-Terror Allianz für Afrika - nach irakischem Vorbild

Allein der Fall der malischen Stadt Kidal, die 2012 von extremistischen Gruppen besetzt wurde, zeigt das ganze Problem auf: Franzosen und Malier sind sich alles andere als einig, wie mit den Wüstennomaden zu verfahren sei - was die antifranzösischen Demonstrationen in der Hauptstadt Bamako zusätzlich anheizt.

Die Militäreinsätze sollen in Zukunft durch eine «Koalition für den Sahel» koordiniert werden. Dieses Gremium, das an die westlichen Allianzen im Irak erinnert und unausgesprochen französisch gelenkt wäre, umfasst laut Gipfelerklärung die Operation Barkhane mit bisher 4500 Soldaten; die 5000 Mann starke, allerdings erst im Aufbau befindliche Einsatztruppe G5-Sahel der fünf beteiligten Standortstaaten sowie die europäische Task Force Takuba mit mehreren hundert Soldaten «williger» EU-Staaten.

Die nach einem Tuareg-Schwert benannte EU-Einheit war im vergangenen Sommer von französischer Seite angekündigt worden und sollte eigentlich in diesem Januar stehen. Bisher haben aber nur Belgien und Estland einige wenige Soldaten entsandt; Tschechien überlegt es sich. Paris hofft auf die Beteiligung von zehn EU-Mitgliedern, darunter vor allem Deutschlands. Macron weiss, dass in Berlin grosse Skepsis herrscht, ob ein Militäreinsatz die einzig richtige Antwort in dem riesigen und mittellosen Sahelgebiet ist. Die Schlusserklärung des Gipfels von Pau betont deshalb die Rolle zweier deutsch-französischer Initiativen namens «P3S» (2019) und «Allianz für den Sahel» (2017) für wirtschaftliche und politische Aufbauarbeit.

Macron ist enttäuscht über eropäische Nachbarn

Spürbar ist die französische Frustration über den mangelnden Enthusiasmus der europäischen Nachbarn vor allem seit dem letzten Nato-Gipfel, als Macron das nordatlantische Verteidigungsbündnis für «hirntot» erklärte. Die danach laut gewordene Kritik aus Berlin kontert er mit dem Hinweis, dass Frankreich nicht nur über eine europäische Verteidigung rede; im Sahel tue sein Land wirklich etwas für die Sicherheit Europas und entrichte dafür auch einen hohen Blutzoll. Aus diesem Grund organisierte Macron am Montag auch ein Gipfelfoto vor den Grabkränzen jener sechs Soldaten aus Pau, die im Dezember in Mali gefallen waren.

Alarmiert sind die Franzosen auch durch die jüngste Ankündigung der USA, ihre militärischen Mittel aus Westafrika abzuziehen. Die in der Sahara entscheidende Luftüberwachung der Amerikaner würde dem französischen Generalstab schmerzlich fehlen. In Pau appellierten die sechs Präsidenten mit Nachdruck an Washington, vor Ort zu bleiben.

So sehr sich Macron für die Schützenhilfe der USA und Deutschlands einsetzt, so offen kritisiert er die russischen Machenschaften im Sahelgebiet. In Pau erklärte er, die antifranzösischen Ressentiments würden durch «ausländische Mächte mit einer Söldner-Agenda» geschürt. Damit meinte er den Einsatz der russischen Sicherheitsfirma Wagner in der Zentralafrikanischen Republik, einem einstigen Einflussgebiet Frankreichs. Noch herrscht in Mali kein Stellvertreterkrieg wie in Libyen. Macron will aber offensichtlich der Anfänge wehren.