Per Autostopp um die Welt
Neujahrsfest mit viel Wasser: Streetparade auf Myanmar-Art

Autostöppler Thomas Schlittler hat es nach seiner Autostopp-Pause in Bangkok nach Myanmar gezogen. Dort wird er mit seinem Kumpel Tschügge Zeuge des Neujahrfestes von Myanmar. Per Autostopp um die Welt – Woche 46: Von Yangon nach Magway.

Thomas Schlittler*
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Die Woche beginnt in Yangon. Das Wahrzeichen der Millionenstadt_Die riesige Shwedagon Pagode
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Aufzeichnungen buddhistischer Mönche bezeugen, dass die Pagode bereits vor dem Tod des historischen Buddha Siddhartha Gautama im Jahre 486 v. Chr. erbaut wurde
Abgesehen von der Shwedagon Pagode ist es in Yangon vor allem eins: Heiss! Die stickige Luft ist kaum auszuhalten
Wir machen eine kleine Zugfahrt durch die Stadt. Wie überall auf der Welt sieht man an den Bahnhöfen die verschiedensten Menschen ...
...junge Myanmar-Hipster...
...Mönche...
...traditionell gekleidete Frauen.
Was auffällt: Viele junge Männer haben die Haare rot gefärbt und die Frauen tragen oft Thanaka, die traditionelle Gesichtsbemalung in Myanmar
Auch diese Flecken sind typisch für Myanmar: Das ist kein Blut, sondern eine zerkaute, ausgespuckte Betelnuss. Die Dinger schmecken meiner Meinung nach ekelhaft
Und das gehört leider ebefalls zu Yangon, Myanmar - und vielen, vielen anderen Ländern: Müllberge mitten in der Stadt
Am wunderschönen Ngapali Beach ist die Luft dann wieder besser als in Yangon - und es liegt auch weniger Müll herum
Die meisten Badegäste sind Einheimische. Es hat erstaunlich wenige westliche Touristen. Gut möglich, dass es in ein paar Jahren hier anders aussieht
Die einheimischen Frauen - und teils auch die Männer - baden in T-Shirts und Hosen. Bikini? Fehlanzeige!
Das gilt auch für junge Mädchen
Eine typische Strassenszene in Thandwe, im Westen Myanmars
Auch der Markt wirkt noch ein bisschen wie aus einer anderen Zeit
Die Strassen waren in dieser Woche zwar meist geteert, aber selten wirklich gut. Schlaglöcher sind Standard
Immer wieder stehen junge Frauen oder Männer mit einer silbernen Büchse am Strassenrand, die um religiöse Spenden bitten
Die Busse sind oft so vollgestopft, dass wir uns schon oft gedacht haben, dass Autostöppeln in Myanmar eigentlich fast die Luxus-Reisevariante ist
Wir sehen auf unserer Fahrt viele abgebrannte Wälder. Der Grund? Brandrodung durch Bauern, die das Land für die nächste Aussaat vorbereiten
Bisher sind wir in Myanmar mehrheitlich durch flache Gebiete gereist. Auf dem Weg von der Küste ins Landesinnere wird es aber gebirgiger
In der 300'000-Einwohner Stadt Magway ist dann Party angesagt. In Myanmar wird Neujahr gefeiert - mit dem Wasserfest
Myanmar
Ich mache nur ein paar Fotos mit dem Smartphone - das prompt eine Ladung Wasser abkriegt und kaputtgeht. Lustig wars trotzdem
Lustig wars unter anderem dank unseren neuen Freunden von der örtlichen Feuerwehr ...

Die Woche beginnt in Yangon. Das Wahrzeichen der Millionenstadt_Die riesige Shwedagon Pagode

Thomas Schlittler

Oh! Mein! Gott! Was für verrückte Tage! In Myanmar wird Neujahr gefeiert. Und um die Sünden des vergangenen Jahres wegzuspülen, spritzen sich die Einheimischen drei Tage lang auf jede erdenkliche Weise mit Wasser ab.

Alle paar hundert Meter stehen kleinere oder grössere Menschengrüppchen, die mit Eimern, Wasserpistolen oder Schläuchen bewaffnet darauf warten, Autos, Motorrädern und Fussgängern eine kalte Dusche zu verpassen.

Mein Kumpel Tschügge und ich sind ein besonders beliebtes Ziel. Wir scheinen in der 300'000-Einwohner-Stadt Magway derzeit die einzigen Ausländer zu sein – und fallen dementsprechend auf.

Autostopp-Kolumne nachlesen

Kolumne verpasst? Dann gehts hier lang!

Bei unseren Spaziergängen durch die Stadt kommen wir jeweils nicht weit: Mal rennen Kinder auf uns zu, um uns Wasser über den Kopf zu leeren. Mal bittet uns eine Gruppe Jugendlicher um ein Selfie. Mal werden wir auf eine Runde Whiskey, Bier und Betelnuss (ekelhaft!) eingeladen.
Dann packt uns einer an den Armen, um uns auf eine Bühne zu schleppen, auf der uns je zwei Schläuche in die Hand gedrückt werden, mit denen wir für einmal die anderen abspritzen können.

Einige geniessen die kalte Dusche sichtlich – kein Wunder, bei Temperaturen um die 40 Grad.

Die Musik dröhnt so laut aus den Boxen, dass die ganze Bühne vibriert. Auf der Strasse tanzen die Einheimischen zu den Techno-Beats, barfuss und patschnass.

Von Zeit zu Zeit fahren Lieferwagen vorbei mit weiterem Partyvolk auf den Ladeflächen. Street Parade auf Myanmar-Art!

Von Yangon nach Stadtende: Die Autostopp-Woche beginnt mit diesem tollen Kerl. Den Namen weiss ich leider nicht mehr. Ich habe ihn zwar auf meinem Smartphone ...
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Von Yangon Stadtende nach Nyaungdon: ... aber dieses fiel dem Wasserfest in Magway zum Opfer. Egal. Mit diesen beiden LKW-Fahrern gings weiter.
Von Nyaungdon nach Pantanaw: Dann in einem weiteren LKW, in dem die Insassen ganz eng zusammenrückten, damit wir auf dem Beifahrersitz Platz nehmen konnten.
Von Pantanaw nach Ngatainchao: Wieder ein LKW. Wieder ist es eng. Und weil der gemütliche Fahrer seinem Typ entsprechend fährt, müssen wir laaange so ausharren.
Von Ngatainchao nach Gwa: Deshalb freuen wir uns, dass wir danach wieder einmal auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks Platz nehmen dürfen.
Unser Fahrer setzt uns aber mitten in der Wildnis aus. Aber nicht, weil er ein schlechter Mensch wäre ....
... sondern weil er einen Motorradfahrer, dessen Gefährt abgelegen ist, zurück in die Stadt chauffiert. Ein grossartiger Typ unser Fahrer ...
... zumal er uns anschliessend auch noch zu einem Feierabendbier einlädt.
Von Ngatainchao nach Gwa: Deshalb freuen wir uns, dass wir danach wieder einmal auf der Ladefläche eines Pick-up-Trucks Platz nehmen dürfen.
Von Launggyo nach Thandwe: Dass uns diese Familie mitgenommen hat, ist alles andere als selbstverständlich. Es sassen ohne uns schon acht Leute im Auto.
Von Thandwe nach Taunggok: Da haben wir es wieder gemütlicher. Auf der Ladefläche eines kleinen Lieferwagens.
Von Taunggok nach Ann Dann: Wieder eine Familie. Rechts der Opa, hinten Mutter und Kind. Es hatte noch vier Leute mehr im Auto, die man auf dem Bild nicht sieht.
Dieser Herr hat uns zwar nicht mitgenommen, ist aber trotzdem unser Held. Er hilft uns nämlich an einem ziemlich verlassenen Ort ein Auto anzuhalten.
Von Ann nach Magway: Es ist aber ein Bus. Doch der Fahrer (rechts) bringt uns trotzdem kostenlos nach Magway. Er lädt uns gar noch zum Essen ein.

Von Yangon nach Stadtende: Die Autostopp-Woche beginnt mit diesem tollen Kerl. Den Namen weiss ich leider nicht mehr. Ich habe ihn zwar auf meinem Smartphone ...

Thomas Schlittler

Doch es kommt anders. Unser Fahrer hält vor einer Feuerwehr-Station, seinem Arbeitsplatz. Dort geht die Feier mit ein paar seiner Kumpels – und zusätzlichem Whiskey – weiter.

Richtig kommunizieren können wir nicht, doch wir unterhalten uns auch ohne Worte bestens.
Erst holt einer die Gitarre hervor, um ein Lied anzustimmen, das alle auswendig mitsingen können.

Dann kommt einer mit Feuerwehr-Kleidern hervor, um uns einzukleiden. Ständig wird angestossen und gelacht. Eine riesen Gaudi – bis der Alkohol sein unschönes Gesicht zeigt:

Zwei junge Männer geraten aus irgendeinem Grund aneinander und alle stürmen herbei. Einige um zu schlichten, andere um ebenfalls dreinzuschlagen.

Wir versuchen die Gemüter zu beruhigen, doch das gelingt uns nur bedingt.

Auch nach der Prügelei wird noch heftig diskutiert, alle sind gereizt. Die Musik ist aus, die Stimmung im Eimer. Es ist Zeit für uns zu gehen.
Zurück auf der Strasse hält das Stimmungstief nicht lange an. Eine Gruppe auf einem Partywagen winkt uns herbei, wir sollen zu ihnen auf die Ladefläche kommen. Sie drücken uns ein Bier in die Hand und los geht die Fahrt.

Überall, wo wir auftauchen, winken uns die Leute zu. Tschügge und ich schauen uns immer wieder ungläubig an. Geschieht das alles gerade wirklich?!

Wir fühlen uns wie Party-Päpste und kriegen kaum ein anständiges Wort raus, weil wir nicht aufhören können zu lachen – oder weil uns gerade wieder jemand eine Ladung Wasser ins Gesicht klatscht.

Wenn das mit dem Sünden wegspülen wirklich funktioniert, hätten wir im vergangenen Jahr ein paar zusätzliche Dummheiten machen können.

Mehr noch: Gemessen an der Zahl kalter Duschen müssten wir jetzt Heilige sein – das neue Jahr kann kommen!

*Thomas Schlittler war Wirtschaftsredaktor der «Nordwestschweiz» und hat gekündigt, um seinen langersehnten Traum zu verwirklichen: per Autostopp um die Welt.

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