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Novartis und die gesprengte Erde

Der Basler Pharmakonzern hat hohe Ambitionen. Um diese zu erreichen, soll der Konzern neu ausgerichtet werden.
Susan Boos
Susan Boos WOZ Redaktionsleiterin

Susan Boos WOZ Redaktionsleiterin

Novartis entlässt in der Schweiz zweitausend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Eine so grosse Massenentlassung hat es schon lange nicht mehr gegeben. Die Stadt Basel ist schockiert, hatte man doch alles getan, um den Pharmariesen glücklich zu machen.

Novartis begründet den massiven Abbau mit einer Neuausrichtung des Konzerns. Viele der altgedienten Mitarbeitenden kann man deshalb nicht mehr brauchen. Das wird noch viel zu reden geben, aber um die Entlassungen soll es hier nicht gehen, sondern um die Zukunftsvision von Novartis. Sie trägt den Titel «Data 42». Man wolle völlig neue Medikamente entwickeln, sagt Vasant Narasimhan, der seit Anfang Jahr Novartis ­regiert.

Der zweitwichtigste Mann im Unternehmen dürfte Bertrand Bodson sein, der neue Chief Digital Officer. Er kommt nicht aus der Pharmabranche, sondern hat bei Amazon und anderen Digitalfirmen Karriere gemacht. Er gibt vor, wie die Medikamente der Zukunft entwickelt werden: Vergesst Reagenzglas und Petrischale, das ist letztes Jahrtausend – künftig wird Künstliche Intelligenz aus den unendlichen Bergen von Gesundheitsdaten neue Medikamente zusammenbauen. Bodson spricht vom «heiligen Gral», den Novartis knacken möchte.

Und diesem Allmachtsprojekt haben sie den Namen «Data 42» gegeben. Möglich, dass es funktioniert. Allerdings ist der Name etwas verwegen. Nur Nerds dürfte die Zahl 42 etwas sagen. Novartis’ «Data 42» soll tatsächlich inspiriert sein von Douglas Adams’ «Per Anhalter durch die Galaxis». Es ist ein phänomenales Werk, das ursprünglich als Radiohörspiel ausgestrahlt wurde. Adams hat die Story danach in mehreren Romanbänden weitergesponnen. 1992 erschien der «fünfte Band der vierteiligen Trilogie». «Per Anhalter durch die Galaxis» wurde auch verfilmt. Adams hat am Drehbuch mit­gearbeitet, starb aber, bevor der Film 2004 in die Kinos kam. Ironischerweise erlitt Adams – noch keine fünfzig Jahre alt – im Fitnesszentrum einen Herz­infarkt.

Die Frage aller Fragen

Der Film ist legendär. Der unflätige Präsident der Galaxis, Zaphod Beeblebrox, hat viel mit Donald Trump gemein. Der Plot sprüht vor Ironie. Ganz zu Beginn wird die Erde in die Luft gesprengt, weil sie den Vogonen – einer schwabbeligen, ausserirdischen Spezies – beim Bau einer galaktischen Hyperraumexpressroute im Weg ist.

Und hier kommt die ominöse 42 ins Spiel. Eine kluge Kultur aus einer fernen Galaxis hatte nämlich einen Supercomputer gebaut, den sie «Deep Thought» nannte, der «Tiefe Gedanke». Er sollte die Frage aller Fragen beantworten – die Frage nach dem «Sinn des Lebens, dem Universum und dem ganzen Rest». Der Supercomputer rechnete 7,5 Millionen Jahre. Am Ende verkündet er das Ergebnis: 42.

Die Computerbauer konnten damit nichts anfangen. Der Computer versicherte ihnen, dass das Ergebnis garantiert korrekt sei. Er verstand, dass die Antwort unbefriedigend war, und lieferte eine Erklärung: «I think the problem, to be quite honest with you, is that you’ve never actually known, what the question is.» («Ich denke, um ehrlich zu sein, ihr habt nie genau gewusst, wie die Frage lauten soll.») Er schlug deshalb vor, um aus dem Dilemma rauszukommen, einen noch grösseren Computer zu konstruieren. Sie gehen darauf ein und bauen zu diesem Zweck den Planeten Erde, der quasi als Supersupercomputer die Antwort auf die grosse Frage ­liefern sollte. Die Erde konnte aber die gestellte Aufgabe nicht beenden, weil die Vogonen sie sprengten, um die Hyperraumumgehungsstrasse zu bauen.

Sinnigerweise explodiert in Douglas Adams’ Geschichte die Erde, fünf Minuten bevor sie das Programm fertig ­ab­gearbeitet hat und die ­Antwort auf den Sinn des Lebens hätte liefern können. Also bleibt nur die unbefriedigende 42 zurück. Und die grosse Frage: Ist dies das Ziel von Novartis? Das beste aller Medikamente zu entwickeln – ohne Sinn und Zweck und passende Krankheit?

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