O Tannenbaum

...o Tannenbaum, wie verschieden sind deine Blätter.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu

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Lz

Die günstigeren stammen aus Europas Norden, der lange Transportweg ist suboptimal. Die hiesigen, teureren Christbäume erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Obwohl die Nachfrage für regionale Produkte also erfreulicherweise wächst, will die Stadt Luzern hier nun die Konsumenten bevormunden: Christbäume, die auf öffentlichem Grund verkauft werden, dürfen nur noch aus der Schweiz stammen. Bloss: Es können oder wollen sich längst nicht alle einen teureren einheimischen Baum leisten.

Auslöser für diesen schweizweit wohl einmaligen Markteingriff sind die Händler selber. Sie haben es nicht zuverlässig geschafft, die Bäumchen zu deklarieren. Ausländische wurden zum Teil als einheimische verkauft. Wer dem Kunden eine Mandarine als Orange andrehen will, darf sich über Regelverschärfungen nicht beklagen. Die Stadtbehörden finden den Eingriff in die Marktfreiheit denn auch nicht übertrieben. Die Initiative stamme ja von den Händlern selber. Eine schwache Begründung. Logisch befürwortet die IG Suisse Christbaum, deren Händler eh einheimisches Gehölz anbieten, die Regeln. Zudem: Wer tricksen will, kann das auch im neuen Regime.

Was folgt als nächstes? Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt nur aus Luzerner Trauben? Regionale Produkte schonen die Ressourcen, das ist klar. Gescheiter als die Protektionismus-Keule wäre aber gesundes Augenmass.