Analyse
Opernhaus Zürich: Die Zahlen stimmen

Analyse zur Bilanz des Opernhauses Zürich nach zwei Jahren Intendant Andreas Homokis.

Christian Berzins
Christian Berzins
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Der Zürcher Opernhaus-Intendant Andreas Homoki.

Der Zürcher Opernhaus-Intendant Andreas Homoki.

Wolf Silveri

Ganz offen gesagt: Das Opernhaus Zürich verfügt über ein beneidenswert cooles Leitungs-Team. Aktuelle «Zauberflöten»-Polemik hin oder her. «Kommt, setzen wir uns doch alle an einen Tisch», hiess die Message zu Beginn der Bilanz-Pressekonferenz vom Freitag. Intendant Andreas Homoki ist als Erster da, plaudert, macht auch mal eine spitze Bemerkung, aber gibt zu verstehen: Lasst uns alle Freunde sein, wir machen doch etwas Schönes hier! Und sowieso bekennt er gleich: «Heute bei der Bilanz-Medienkonferenz habe ich nur die Nebenrolle. Aber ich schaue trotzdem mal rein.»

Wenn dann Finanzchef Christian Berner auch noch knapp, aber präzis positive Zahlen präsentiert, durchaus auch mal eine heikle Zahlen-Wendung ehrlich offenlegt, dann bleibt eigentlich nicht mehr viel bei Verwaltungsratspräsident Markus Notter nachzufragen. Es gilt höchstens, noch ein Witzchen zu machen über den Tausch der WCs im Opernhaus-Untergeschoss: Männer neu rechts, Frauen neu links. So konnte offenbar ein Kapazitätsproblem gelöst werden. Und der Zugang ist nun auch nicht mehr versperrt.

81 131 000 Subventionen, 292 000 Gewinn

Das Opernhaus schreibt einen Gewinn von 292 000 Franken. Aber klar: Jetzt kann man gleich das Donnerwort reinsausen lassen: Kein Wunder, bei 81 131 000 Franken Subventionen. 296 000 mehr als letztes Jahr. Und man kann auch gleich nachschieben mit Jammern: Die Vorstellungseinnahmen sanken um 1,635 Millionen! Die Auslastung sank um 2,3 Prozent! Aber, schwupps, kontern die Opernmacher: Alles ist immer noch besser, als es die Leistungsvereinbarung mit Stadt und Kanton verlangt! Und 83,8 Prozent Auslastung sind ziemlich gut.

Es gab nur einen Moment, da meinte man Zürichs Ex-Opernchef Pereira jammern zu hören – dann nämlich, als auch Homoki die berüchtigte Personalkosten-Platte auflegte: Von wegen mit den Subventionsgeldern könne man nicht einmal den Personalaufwand decken. Er sollte sie abstellen, denn ists ein Wunder, dass die Subventionen nicht 592,85 Stellen finanzieren können? Und rund 53,7 Millionen fliessen zu den Künstlern, erzeugen das grossartigste Nichts der Welt: Oper. Wer das auf Spitzenniveau will, muss dafür bezahlen. Und trotz allen verflossenen Hohen Cs schafft es Zürich, die Eigenwirtschaftlichkeit auf 38,8 Prozent zu hieven (Basel 24%).

Homoki betonte, dass man sich darauf gar nicht so viel einbilden solle. «Will ich die Eigenwirtschaftlichkeit weiter erhöhen, müsste man die Preise hinaufsetzen. Genau das wollen wir nicht!» Und er wies darauf hin, wie heikel es sei, sich auf die Sponsoren zu verlassen. Sympathisch, denn Homoki hätte auch rausposaunen können, dass man 784 000 mehr Sponsorengeld eingenommen hat (rund 8,369 Millionen).

Bartoli zieht nach wie vor

Die Vorstellungseinnahmen sind gesunken, da man fünf Opernabende weniger spielte. Das heisst, über den Daumen gepeilt: man nahm 0,5 Millionen weniger ein. Zürich spielte dafür viel mehr Ballett: Das ist billiger, bringt aber weniger Gewinn. Und mit ein Grund für die tieferen Einnahmen ist auch die gesunkene Auslastung.

Auch bei der Auslastung könnte man spitzfindig sein, werden doch im Unterschied zu früher alle Karten gezählt – also auch die Freikarten für das Personal, Bekannte und Freunde. Auch die 14 000 (!) Jugendlichen, die im Haus waren, zahlten nicht 320 Franken pro Karte.

Es zeigen sich dennoch erstaunliche Werte: Händels «Alcina» war zu 99,6 Prozent ausgelastet! Erklärung? Cecilia Bartoli sang – das Star-System zieht nach wie vor. Das «Aber» folgt auf dem Fuss: Bernd Alois Zimmermanns «Die Soldaten» hatten ebenfalls eine Auslastung von 99,5 Prozent! Bernd wer? Antwort: Es gibt ein neugieriges Publikum, das nur darauf wartet, nicht immer die alten Platten zu hören. Dieses Publikum ist aber nicht riesig: Das zeigt sich bei den Wiederaufnahmen. Wird dort etwas Seltenes oder wenig Populäres erneut gespielt, ist die Auslastung schlecht. Janaceks «Jenufa» etwa schafft es im zweiten Durchlauf gerade mal auf 63,5 Prozent. «Der Titel ist das Wichtigste», sagt denn auch Homoki ganz ehrlich. Und so verwundert es nicht, dass trotz Polemik um die neue, umstrittene «Zauberflöte» alle Vorstellungen in diesen Tagen ausverkauft sind.

Wie auch immer: Nach zwei Spielzeiten kann das Team rund um Intendant Andreas Homoki sagen, dass man in Zürich angekommen ist und die ausgehandelten Vorgaben erfüllt. Chapeau.