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Periskop sucht Brüste

Ich loggte mich ein und sah drei Besoffenen zu, wie sie sich in einer Wohnung in San Francisco beim Tanzen filmten. Dann beantwortete eine gerade erwachte junge New Yorkerin Fragen zu ihren roten Haaren.

Benno Tuchschmid
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Mit dem Handy im Internet: Frauen in einem türkischen Café (Archiv)

Mit dem Handy im Internet: Frauen in einem türkischen Café (Archiv)

Und ein Italiener mit Sonnenbrille suchte am Strand mit dem Smartphone in der Hand nach nackten Brüsten.

Gestern lud ich «Periscope» auf mein Handy, den nächsten Schritt in der digitalen Degeneration. Mit dem App kann sich jeder Mensch mit einem Smartphone live mit Video und Ton ins Netz hochladen – und die Welt darf sich einwählen und kommentieren. Jeder Mensch ein Sender; der Kurznachrichtendienst Twitter bezahlte 87 Millionen Dollar für die Idee.

Und wieder geht es eigentlich um Demokratie: Während der Anti-Erdogan-Proteste in der Türkei fühlten sich die App-Entwickler unterinformiert. Sie entschlossen sich, jedem Netzbürger die Möglichkeit zur Live-Sendung zu geben. Eine zivilgesellschaftlich-motivierte Geschäftsidee. Mehr Transparenz. Mit dem Resultat, dass ich nun kiffenden Amerikanern dabei zusehen darf, wie sie sich auf Aufforderung der Zuschauer gegenseitig ins Gesicht schlagen. Ich hab mich wieder ausgeloggt.