Café Fédéral
SRF-Arena: Parteipräsidenten-Runde findet ohne Frauen statt

Heute findet die grosse Präsidenten-Runde im Schweizer Fernsehen statt. Die Spitzen von SVP, SP, FDP, «Die Mitte», Grüne und GLP treffen sich zur Diskussion. Dass die Frauen in den Präsidien fehlen, gibt zu reden.

Nina Fargahi
Nina Fargahi
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Die Präsidenten-Runde in der heutigen Arena.

Die Präsidenten-Runde in der heutigen Arena.

Keystone/Montage_CH Media

Es ist ein Dilemma. Da will man im Fernsehen Frauen sichtbarer machen, indem sie vermehrt in Sendungen eingeladen werden. Aber ausgerechnet die Parteipräsidenten-Arena besteht ausschliesslich aus Männern. Zwar ist mit Mattea Meyer zumindest in der SP eine Frau an der Spitze, doch sie erwartet derzeit ihr zweites Kind.

Und so diskutieren sechs Männer im nationalen Fernsehen über aktuelle Themen wie ausgerechnet die Gleichstellung. Der Moderator Sandro Brotz klingt fast schon entschuldigend: «Wir wählen die Parteipräsidenten nicht», twittert er und liefert Statistiken, wonach der Anteil weiblicher Gäste in der Arena seit Mai 2019 rund 42 Prozent betrage.

Der Moderator kann nichts dafür, dass zwar im Bundesparlament aktuell so viele Frauen sitzen, wie noch nie zuvor, aber sämtliche Parteipräsidien – mit Ausnahme von SP und EVP – in fester Männerhand sind.

Das Bild der sechs männlichen Parteichefs ist ernüchternd. Backlash-Alarm, twitterte die ehemalige SRF-Moderatorin Patrizia Laeri.

Was soll man denn nun tun, wenn alle gewählten und verfügbaren Parteispitzen aus lauter Männern bestehen? Soll man etwa die Runde öffnen für weibliche Vize-Präsidentinnen? Jedenfalls fragte der Moderator im Teaser zur Sendung: Wie sind die Parteien zwei Jahre vor den eidgenössischen Wahlen aufgestellt? Mit Blick auf die Parteipräsidenten entsteht die Vermutung: wahrscheinlich breitbeinig.

Cédric Wermuth, der SP-Co-Parteichef, gelobte ja einst, nie mehr an einer öffentlichen Diskussion mit mehr als zwei Gästen teilzunehmen, wenn sie nur aus Männern zusammengesetzt sei. Eine heutzutage übliche Haltung unter Podiumsgästen. Getreu seinem Motto dürfte Wermuth aber nicht an der Arena teilnehmen.

Wenn sich alle Parteipräsidenten daran ein Beispiel genommen hätten, so würde niemand in die Arena gehen. Um auch solche delikaten Situationen zu verhindern, erscheint es angezeigt, in den Parteipräsidien für Ausgewogenheit zu sorgen. Denn: Stell Dir vor, es ist SRF-Arena und keiner geht hin.

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