Gastkolumne

«Frohe Festtage» hatte vielleicht doch einen faden Beigeschmack

Weihnachtstage als Festtage? Sie waren schon froher. Und die Neujahrstage? Aber dann ohne Jahresrückblick.

Peach Weber
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Hatten Sie auch immer so ein komisches Gefühl, wenn Sie in den letzten Tagen die Floskel «Ich wünsche schöne Festtage!» brauchten? Was gibt es da schon gross zu feiern? Dass man selber das Drecksvirus noch nicht abbekommen hat? Dass man schon ein paar Tage nach der Minieuphorie über den Impfstoff hören muss, dass eine Mutation gefunden wurde? Dass man selber noch nicht im Altersheim ist, wo die Chance auf «Frohe Festtage», trotz absolut bewundernswerter und aufopfernder Arbeit des Pflegepersonals, wohl eher durch den Schmerz, niemanden zu Besuch zu haben, übertönt wird. Da nützen alle «Jingles» nichts, die herumbellen.

Es war ja schon immer so, dass für ziemlich viele Menschen die Weihnachtstage eher eine Über­lebensübung als frohe Festtage waren. Menschen, die niemanden hatten zum Feiern, gerade in unserer versingelten Gesellschaft hat sich das noch zusätzlich verschärft. Und vor allem, wenn zudem drei Tage alle Orte geschlossen sind, an denen man sich unter Leute mischen könnte, um die Einsamkeit etwas bunt anzu­malen. Und jetzt ist ja nicht nur drei Tage alles zu, nein, einen ganzen Monat lang.

Gut, man kann immerhin im Do-it die neuen Dachlatten bestaunen oder mit einem Vorschlaghammer Duzis machen. Das ist aber ein schwacher Ersatz für kleine, unbeschwerte Begegnungen mit Menschen, von denen man mehr als die Augen sieht. Was macht man mit Festtagen, an denen man fast nichts machen darf? Es soll Leute gegeben haben, die aus Verzweiflung ihren Baum angezündet haben, um wenigstens Besuch von ein paar Feuerwehrleuten zu bekommen.

Nun hatten wir die Chance, alle ein wenig die Kehrseite der «Festtage» zu spüren. Vielleicht werden wir nächste Weihnachten dafür wieder mit 100 Leuten aus 30 Familien feiern können. Aber inzwischen rechnet man mit allem, auch damit, dass das Virus immer neue Wege finden wird, uns zu zeigen, wo der Bartli den Impf-Most holt. Übrigens:

Sollte sich der Bundesrat (inklusive Ueli Hakeluscht) wirklich demonstrativ impfen lassen, wären sie für mich die ersten sinnvollen Impf-luenzer.

Und wem haben wir die ganze Bredouille zu verdanken? Den Chinesen, die man früher oft etwas abschätzig «Schlitzaugen» genannt hat. Das ist vorbei, jetzt, da wir erfolgreich das Schnitzel aus dem Zigeuner maximalinvasiv herausoperiert haben.

Gut, wir haben mit unserem idiotischen Mobilitätswahn der Verbreitung genützt. Ausserdem ist es doch so: Wir im Westen haben zu einem guten Teil die Chinesen zu dem gemacht, was sie heute sind. Wir hielten uns für besonders schlau und meinten, wir könnten sie ungestraft als nützliche Idioten benützen, die unsere Schrottprodukte unter Umgehung des Umweltschutzes dreckbillig herstellen. Das haben sie zwar jahrelang gemacht, aber mit der Abqualifizierung «Die können ja nur kopieren» haben wir sie massiv unterschätzt. Sie sind nämlich nicht «Schlitzaugen», sondern «Schlitzohren». Dass sie unser Gerümpel zwar kopieren, aber dann verbessern und uns wieder zurückverscherbeln könnten, damit haben wir nicht gerechnet.

In letzter Zeit habe ich in vielen Gesprächen mit an und für sich nicht dummen Leuten immer wieder die versteckte Bewunderung herausgehört, dass es die Chinesen halt schon viel besser gemacht hätten. Ja, zugegeben, die Pandemie ist wohl das einzige Beispiel, bei dem eine Diktatur von Vorteil ist. Aber dieses menschenverachtende System hat man dann auch noch, wenn die Pandemie vorbei ist! Ein System, das Leute, die zweimal in der Öffentlichkeit furzen, in ein Arbeitslager steckt. Dorthin haben es die Uiguren sogar geschafft, ohne zu furzen, nur durch ihre schiere Existenz.

Fazit: «Frohe Festtage» hatte vielleicht doch einen faden Beigeschmack, dafür können wir nun umso überzeugender und gepaart mit Op­ti­mismus allen wünschen: «Auf ein gutes neues Jahr!» Den Jahresrückblick könnt ihr euch sparen.