Ansichtssache
Seinen Ruf hat der Esel nicht verdient

Wenn man Eselgeschichten liest, verändert sich der Blick vollständig auf die Tiere.

Max Dohner
Max Dohner
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Esel sind goldene Tiere – den Fabeln nach zu schliessen. Vielleicht darum lässt Tiercoiffeur Mohamed Mustafa in Kairo ihnen besondere Pflege angedeihen, während seine Buben mit dem Kunden spielen. Die schönste Eselgeschichte schrieb Juan Ramón Jiménez, ein Mann aus Andalusien – «Platero und ich». In Andalusien, schrieb Jiménez, sei es so einsam, «dass es scheint, als wäre immer jemand da.» Zumindest ein Esel. Jiménez beruhigt Platero, den Esel, indem er ihm sagt, er werde ihn nicht für eine Fabel missbrauchen. Der Autor bekam 1956 den Nobelpreis für Literatur. Bei der Feier in Stockholm liess er sich vertreten; seine Frau war gerade gestorben, Jiménez trauerte um sie. Auch das ist eine schöne Geschichte. Der Umgang mit Eseln lehrt offenbar, keiner zu sein. Foto: Maya Alleruzzo/key