Polemik

Selbstregulierung ist kein Selbstläufer

Tommaso Manzin
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Briefkastenfirmen. (Symbolbild)

Briefkastenfirmen. (Symbolbild)

/EPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND

Der Siegeszug der Kreisel im Strassenverkehr heisst nicht, dass es keine Ampeln mehr braucht. Dass Selbstregulierung kein Selbstläufer ist, wurde auch in der Finanzkrise klar: Blindes Vertrauen auf interne Risikomodelle der Banken hatte sich als Stochern im Nebel erwiesen. Dabei war von Anfang an klar, dass man die Kontrolle über Risikoverhalten nicht jenen überlassen kann, denen diese hohe Profite versprecht.

Die Panama Papers haben die Rolle der Anwälte in der Bildung von Briefkastenfirmen in Offshore-Zentren zum Thema gemacht. Prompt gelobt ihre Selbstregulierungsorganisation Besserung. Bisher musste ein Anwalt die Herkunft von Geld nur klären, wenn er Hinweise hat, dass es einem Verbrechen entspringt – nicht jedes Vergehen ist es wert, dass er Selbstinitiative zeigt. Knallt ihm ein Klient also den Geldkoffer kommentarlos – ohne Geständnis eines Delikts mit angedrohter Freiheitsstrafe von über drei Jahren– auf den Tisch, muss er nicht mit der Wimper zucken. Damit haben die Anwälte bewiesen, dass auch sie erst nach einem Skandal reagieren. Und dass es Kontrolle braucht – von aussen.