Kommentar

Skination im Höhenflug nach Yule-Sieg in Adelboden 

Nach Daniel Yules Slalom-Sieg am Wochenende befindet sich die Schweiz im Ski-Höhenflug.

Claudio Zanini
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Claudio Zanini

Claudio Zanini

Manuela Jans-Koch | Lz

Der Heimweltcup von Adelboden schien die Schweizer Athleten jahrelang zu hemmen. Nach dem Riesenslalom-Sieg von Marc Berthod 2008 begann eine Baisse, die sich bis ins Jahr 2020 ausdehnte. Die Schweizer standen nie mehr auf dem Podest. Das Kuonisbergli wurde zum Kraftort für andere Nationen, besonders für den Österreicher Marcel Hirscher.

Am Sonntag setzte der Walliser Daniel Yule der Durststrecke ein Ende. Der 26-Jährige triumphierte im Slalom, 23 Hundertstel vor dem Norweger Henrik Kristoffersen. Yule war der Kopf eines entschlossenen Schweizer Teams, das nach dem ersten Lauf gleich mit vier Athleten in den Top 5 vertreten war. Dass diese Generation von Slalomfahrern die Flaute am Kuonisbergli beendete, ist der vorläufige Höhepunkt eines sukzessiven Aufbaus. Unter dem Italiener Matteo Joris, der seit 2015 die Equipe trainiert, fand die Mannschaft in die Weltspitze zurück. In der vergangenen Saison folgte der erste Schweizer Slalomsieg nach 11 Jahren, ebenfalls durch Daniel Yule.

Die Geduld hat sich ausgezahlt. Es dürfte letztlich auch eine Frage der Zeit sein, bis auch die Riesenslalom-Spezialisten, die am Samstag leer ausgingen, beim heimischen Klassiker vorne stehen. Die Skination befindet sich vor den Lauberhornrennen vom kommenden Wochenende im Höhenflug: Die Schweiz führt die Nationenwertung an – und hat reelle Chancen, diese erstmals seit 1989 wieder zu gewinnen.

Die 17 Schweizer Slalom-Siege im Weltcup im Bild: 

12. Januar 2020: Daniel Yule gewinnt den Slalom in Adelboden. Damit geht eine lange Durststrecke zu Ende: Es ist der erste Schweizer Slalomsieg am Chuenisbärgli seit 2007, als Marc Berthod überraschend triumphierte.
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8. Januar 2020: Vier Tage zuvor gelang Daniel Yule in Madonna di Campiglio bereits ein grosser Coup: Mit seinem zweiten Weltcup-Sieg in Slalom – den ersten holte er ein Jahr zuvor ebenfalls in Madonna – schloss er zu den Rekordhaltern Plaschy, Zurbriggen und Giovanoli (alle 2 Slalom-Siege) auf.
10. März 2019: Im Slalom von Kranjska Gora schafft Ramon Zenhäusern zum ersten Mal den Sprung nach ganz oben in dieser Disziplin, und das auf eine eindrücklich Art und Weise: Mit über einer Sekunde Vorsprung verwies er Henrik Kristoffersen und Marcel Hirscher auf die Plätze zwei und drei.
22. Dezember 2018: Erster Weltcup-Sieg für Daniel Yule. Der Walliser beendete eine lange Durststrecke, denn der letzte Schweizer Slalom-Sieg ist über 11 Jahre her.
11. November 2007: Der 23-jährige Bündner Marc Gini gewann bei dichtem Schneetreiben auf der Reiteralm. Es blieb sein einziger Sieg, 2017 gab er seinen Rücktritt bekannt.
7. Januar 2007: Unvergessen bleibt er, der Triumph von Marc Berthod am Chuenisbärgli. Mit der Startnummer 60 gestartet, schlüpft er als 27. gerade noch knapp in den zweiten Lauf. Dort gelang ihm der Lauf seines Lebens. Er stellte eine Zeit auf, an denen sich die Konkurrenz die Zähne ausbiss – und die schliesslich zum Sieg reichte.
21. Dezember 1999: Didier Plaschy, heutiger SRF-Experte, gewann in seiner Slalom-Karriere zwei Weltcup-Rennen. Eines davon in Kranjska Gora ...
23. November 1999: ... und eines in Beaver Creek. Plaschy war auf amerikanischem Schnee nicht zu schlagen und feierte mit fast einer Sekunde Vorsprung den ersten Slalom-Erfolg für die Schweiz seit acht Jahren.
30. November 1991: Seine erfolgreichste Saison hatte Paul Accola 1991/92, als er sämtliche sieben Weltcupsiege seiner Karriere errang und den Gesamtweltcup für sich entschied. Dazu gehörte der Slalom-Sieg in Breckenridge. (Im Bild: Rennen in Saalbach)
18. Januar 1987: Der Schweizer Joel Gaspoz (zweiter von links) konnte sich über den Sieg im Lauberhorn-Slalom freuen. Pirmin Zurbriggen, ganz rechts, gewann die Kombination.
10. Dezember 1984: Pirmin Zurbriggen war einer der herausragendsten Ski-Athleten in den 80er Jahren. Im Slalom konnte er zwei Weltcupsiege verbuchen – in Sestriere und am 23. Februar 1986 in Are. Damit blieb die Disziplin jene, in welcher er am wenigsten Weltcup-Siege einfuhr (Abfahrt 10, Super-G 10, Riesenslalom 7, Kombination 11)
28. Januar 1979: Peter Lüscher (hier im Riesenslalom) gewann in seiner Karriere sechs Weltcuprennen – eines davon im Slalom – und 1978/79 den Gesamtweltcup. Den Slalomsieg fuhr er in Garmisch-Partenkirchen ein.
13. Dezember 1978: Martial Donnet (links) holte in Madonna seine ersten Weltcuppunkte, als er völlig überraschend vor Peter Lüscher gewann. In der darauffolgenden Saison lief es ihm nicht mehr nach Wunsch, 1980 trat er zurück.
17. Februar 1969: Edmund Bruggmann gewann in Kranjska Gora sein einziges Slalom-Rennen. Noch stärker war er im Riesenslalom (im Bild) mit 4 Weltcup-Siegen. Bruggmann verstarb im Alter von 71 Jahren.
14. Januar 1968: Dumeng Giovanoli hatte seine erfolgreichste Zeit Ende der 1960er Jahre. Der erste Sieg im Skiweltcup gelang ihm im Slalom von Wengen. Am 21. Januar 1968, eine Woche später, gewann er in Kitzbühel erneut. Damit reiste Giovanoli als einer der Favoriten zu den Olympischen Winterspielen nach Grenoble.

12. Januar 2020: Daniel Yule gewinnt den Slalom in Adelboden. Damit geht eine lange Durststrecke zu Ende: Es ist der erste Schweizer Slalomsieg am Chuenisbärgli seit 2007, als Marc Berthod überraschend triumphierte. 

Peter Klaunzer / Keystone