Kommentar

Die Kurzarbeit verhindert Schlimmeres – doch sie kann auch zum Teufelskreis werden

Zuerst Schindler und Landis+Gyr, und nun Schmolz+Bickenbach und Bucherer: Mit Blick auf die Zentralschweiz lässt sich die Zuversicht des Seco, wonach im Herbst keine Entlassungswelle zu erwarten ist, aktuell nur schwer teilen.

Gregory Remez
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Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft

In den Monaten des Lockdowns sind in der Schweiz so viele Menschen arbeitslos geworden, wie seit Ende der 90er nicht mehr. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote schnellte von 2,3 auf 3,4 Prozent hoch. Seither aber scheint sich die Lage am Arbeitsmarkt – zumindest kurzfristig – stabilisiert zu haben.

Das verleitete das Staatssekretariat für Wirtschaft Anfang dieser Woche zu beinahe entwarnenden Tönen. Es gebe derzeit keine Indikatoren, die auf eine Entlassungswelle im Herbst hindeuteten, teilte der Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco mit. Ein wichtiger Grund dafür sei die Kurzarbeit, die rege genutzt werde.

Mit Blick auf die Zentralschweiz lässt sich dieser Optimismus zurzeit allerdings nur schwer teilen. Nach Schindler und Landis+Gyr haben nun auch Schmolz+Bickenbach und Bucherer rigide Abbauprogramme in Aussicht gestellt. Gewiss, die Arbeitslosigkeit wäre hierzulande ohne das Instrument der Kurzarbeit noch stärker gestiegen – siehe USA, Kanada, Russland. Dennoch zeigt sich, dass auch damit grössere Entlassungsrunden nicht verhindert werden können. Bei Bucherer etwa sind bereits jetzt 90 Prozent des Luzerner Verkaufspersonals in Kurzarbeit. Viel Luft bleibt da also nicht mehr.

Kommt hinzu, dass gewisse Unternehmen die in den letzten Wochen gesammelten Erfahrungen am Ende gegen ihre Angestellten verwenden könnten. Denn dank der Kurzarbeit haben sie gesehen, dass sie eigentlich weniger Personal benötigen als ursprünglich eingeplant. Ein Teufelskreis.

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