Kommentar

US-Präsident traf die richtige Wahl

Donald Trump traf die richtige Wahl und entschied sich für Deeskalation.

Michael Wrase
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Michael Wrase

Michael Wrase

Die für die US-Streitkräfte am Ende folgenlosen Raketenangriffe des Irans hätten weitere US-Angriffe auch nicht gerechtfertigt. Aus Sicht des Irans waren die Raketenangriffe dennoch ein Erfolg: Der Iran musste auf die Ermordung seines Generals reagieren, um vor der eigenen Bevölkerung das Gesicht nicht zu verlieren. Gleichzeitig achtete das Regime darauf, nicht über das für die USA erträgliche Mass hinauszugehen. Um amerikanische Opfer zu vermeiden, unterrichtete Teheran seine Erzfeinde sogar über die bevorstehenden Angriffe, was US-Präsident Trump als iranische Schwäche interpretierte.

Vielleicht war die relative iranische Zurückhaltung auch ein Angebot zum Dialog, zu dem offenbar auch der US-Präsident bereit ist. Eine Zusammenarbeit mit Teheran sei möglich – etwa im Kampf gegen den IS. Sollte Trump dieses Angebot wirklich ernst gemeint haben, dann wäre es allerdings vernünftig gewesen, wenn er gestern eine Lockerung der Sanktionen in Aussicht gestellt hätte.

Stattdessen tat er das Gegenteil und kündigte neue Sanktionen an. Entspannungssignale sehen anders aus. Auch nach den iranischen Vergeltungsschlägen ist keine klare Linie in der amerikanischen Iran-Politik erkennbar. Der Führung in Teheran wird es daher schwerfallen, das amerikanische Kooperationsangebot bei der Bekämpfung des IS für bare Münze zu nehmen.