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Pro & Contra

Vaterschaftsurlaub: Was dafür und dagegen spricht

Braucht es einen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub? Die Redaktoren Daniel Fuchs und Henry Habegger sind entgegengesetzter Meinung. Ein argumentativer Schlagabtausch.
Daniel Fuchs & Henry Habegger

Zwei Wochen soll der Vaterschaftsurlaub nach dem Willen des Ständerates künftig betragen. Die zehn Tage müssten innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt bezogen werden. Finanziert wird der Urlaub durch die Erwerbsersatzordnung. Dafür müssten die EO-Beiträge voraussichtlich von 0,45 auf 0,5 Lohnprozente erhöht werden. Die Volksinitiative fordert einen Vaterschaftsurlaub von vier Wochen, die innerhalb eines Jahres nach der Geburt bezogen werden könnten. Auch hier käme die EO zum Zuge: Sie müsste von 0,45 auf 0,56 Lohnprozente zu erhöht werden, um die Kosten von 420 Millionen Franken zu tragen.

Was bringt ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub Vätern, Müttern, den Kindern und der Gesellschaft? Henry Habegger ist Bundeshaus-Redaktor und hat zwei erwachsene Kinder. Daniel Fuchs ist Reporter und Vater eines Zweijährigen. Wer hat die besseren Argumente?

Pro

Daniel Fuchs: «Die Geburt eines Kindes ist das grösste der Gefühle.»

Daniel Fuchs: «Die Geburt eines Kindes ist das grösste der Gefühle.»

Wahrscheinlich gibt es nur wenig Einschneidenderes als die Geburt des eigenen Kindes. In der Schweiz bekommen Männer dafür meist einen Tag geschenkt. Gleichviel wie für einen Umzug!

Am liebsten möchte ich nie wieder umziehen. Viel zu mühsam. Die Geburt eines Kindes aber ist das grösste der Gefühle. Sie wirft aber auch den Alltag mehr über den Haufen als alles andere, Mütter und Väter regelrecht aus der Bahn. In den ersten Wochen laufen frisch gebackene Eltern oftmals auf dem Zahnfleisch. Was Frauen abverlangt wird, übersteigt Mannes Vorstellungskraft. Ohne Hilfe geht es in dieser Zeit nicht.

«Weil Männer nicht die Alleinernährer sind.»

Ein Mann, der da nur beschränkt Zeit hat für seine Familie, fällt aus unserer Zeit. Die Stärke des nun vorgeschlagenen Modells liegt aber vor allem in der Flexibilität. Sie erlaubt Vätern, die Papizeit als Einzeltage auch später einzuziehen. Wenn die Mütter wieder mit Arbeiten beginnen zum Beispiel. Ein paar zusätzliche Familientage könnten ein Schritt in Richtung mehr Teilzeitarbeit von Männern sein. Immerhin würden so auch Vollzeitangestellte schnuppern im Familienalltag. Und merken, was es bedeutet, Haushalt und Familie unter einen Hut zu bringen. Ausser einer merkt, dass ihm eine aktive Rolle in der Familie eigentlich gar nicht liegt. Soll es ja geben.

An der fehlenden Bereitschaft der Väter jedenfalls, beim Beruf zurückzustecken, leidet das berufliche Vorankommen der Mütter. Väter, die der Kinderbetreuung gleichviel Gewicht beimessen wie dem Beruf, sind nach wie vor in der Minderheit. Und mit der Gleichstellung sind wir beim wichtigsten Argument: Kommt der Vaterschaftsurlaub, liegt aus Sicht eines Arbeitgebers auch in der Anstellung eines jungen Mannes plötzlich ein Risiko. Der Reflex «die stellen wir nicht an, weil sie Mutter werden und ausfallen könnte», würde stark an Bedeutung verlieren.

Manche Männer flüchten sich nach der Geburt in die Arbeit, geben sich ganz der Rolle des Ernährers hin, einem Modell, das längst überholt ist. Und dann? Muster werden eingespielt, die Rollen definiert – und alles bleibt so bis zum Auszug der Kinder. Eine gesetzliche Papizeit würde Vätern Einblick in eine andere Welt gewähren. Und sie vom Ernährerzwang befreien.

Contra

Henry Habegger: «Ist die Vaterschaft so anstrengend, dass es Urlaub braucht?»

Henry Habegger: «Ist die Vaterschaft so anstrengend, dass es Urlaub braucht?»

Der Ausdruck sagt ja eigentlich schon alles: «Papi-Zeit». Es ist nicht die Zeit der Babys, der Kinder. Es ist die Zeit der Papis. Die Papis, eine ach so vernachlässigte Spezies. Das sind aber die Papis, die den Kinderwagen schiebend mit dem Handy am Ohr geistesabwesend durch die Innenstädte irrlichtern.

Diese Papis brauchen jetzt also Zeit, zwei, vier Wochen, oder was immer herauskommt beim Vaterschaftsurlaub. Auch das ist wieder so ein seltsames Wort: Ist die Vaterschaft so anstrengend, dass es Urlaub braucht?

Die Papi-Zeit ist im aktuellen Zeitgeist der Bonus, den man kriegt, wenn man Vater wird. Freitage dank Vaterschaft. Welche eine Leistung! Die Papis sind Helden, sind Märtyrer, die sich für ihre Kinder opfern. So ein Unsinn. Geht es bei dieser Papi-Zeit eigentlich auch ums Kind? In einer Hinsicht sicher: Das Baby ist für manche Politiker das Pfund, mit dem sie wuchern. Der Papi, der gute Mensch.

«Hört endlich auf mit dieser Überhöhung der Väter.»

Aber sind die Papis mit Papi-Zeit auch gute Papis? Vater zu werden ist keine Leistung, es ist aber eine einschneidende Erfahrung. Es ist die beste Erfahrung, die man im Leben machen kann. Ob man das aber auch so wahrnimmt, ob man das begreift, hat nichts mit Papi-Zeit zu tun. Vielleicht sogar im Gegenteil. Die entscheidenden Fragen sind: Nimmt man das Kind ernst, nimmt man die Mutter ernst, nimmt man sich selbst zurück, setzt man andere Prioritäten im Leben?

Viele Papis von heute haben Papi-Zeit nicht nötig, sie haben, wenn sie nur wollen, genügend Zeit für ihre Kinder. Aber dazu gehört auch Verzicht irgendwelcher Art: Geld, Freizeit, Ferien, Freiraum.

Sorgt besser dafür, dass ein Lohn dafür reicht, um eine Familie zu ernähren. Dass nicht beide Elternteile gleichzeitig arbeiten müssen, sodass sie zu reinen Produktivitätsfaktoren verkommen und keine Zeit mehr für die Kinder haben. Und bis dahin gebt den Leuten mit tiefen Einkommen, die sich die Papi-Zeit nicht selbst leisten können, zwei zusätzliche Ferienwochen.

Ich fragte meine Tochter: Bist du für Vaterschaftsurlaub? Ja, sagte sie, damit die Mütter entlastet werden. Das ist ein Argument. Aber hört auf mit der Überhöhung der Papis.

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