Kommentar

Versprochen war es anders

2013 waren erneut 20 Prozent mehr Personen belärmt, als der Zürcher Fluglärmindex zulassen sollte.

Oliver Graf
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Viele Personen sind vom Fluglärm betroffen. (Archiv)

Viele Personen sind vom Fluglärm betroffen. (Archiv)

Keystone

Beim Zürcher Fluglärmindex ZFI handelt es sich um ein grosses Missverständnis. Denn verkauft wurde die Berechnungsformel vom Regierungsrat als «wirksames und mächtiges Instrument, um der Belästigung durch Fluglärm Grenzen zu setzen». Mit dem ZFI hatte der Regierungsrat einen Gegenvorschlag aus dem Hut gezaubert, um eine restriktive Plafonierungsinitiative zu bodigen, welche die jährlichen Flugbewegungen bei 250 000 begrenzen wollte.

Der ZFI zeigt kompliziert berechnet auf, wie viele Personen übermässig von Fluglärm gestört sind. Und als Kernelement enthält er einen wissenschaftlich definierten Grenz- oder Richtwert von 47 000 Personen. «Droht der jährlich neu erhobene Wert den Richtwert zu überschreiten, müssen Massnahmen ergriffen werden», hiess es 2007 in der Abstimmungszeitung.

In sieben Jahren wurde der Richtwert nun fünfmal übertroffen (in den beiden anderen hatte dies gedroht). Im Vorwort zum aktuellen ZFI-Bericht hält Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker lapidar fest: «Ob es mittel- und langfristig gelingen wird, den Richtwert einzuhalten, wird sich weisen.» Grossen Einfluss nimmt die Regierung nicht – sie hofft insbesondere auf leisere Maschinen, die die Swiss anschaffen will. Am ZFI hält sie dennoch fest. Er sei «als Monitoringinstrument ein unverzichtbarer Bestandteil für die kantonale Meinungsbildung». Das mag ja stimmen; der ZFI bildet ab, wie viele Personen belärmt werden. Dafür wurde der ZFI aber nicht entwickelt. Wenn der Regierungsrat das versprochene «mächtige Instrument» bloss als reines Beobachtungsmittel anwendet, bleibt es bei einer wirkungslosen Alibiübung.