Kommentar

Verstörende Darbietung

Es ist zum Verrücktwerden: Donald Trump scheint seinem Ziel, der neue beste Freund von Wladimir Putin zu werden, sämtliche Normen unterzuordnen, die nach dem Ende des Kalten Krieges im Verhältnis zwischen den USA und Russland galten.

Renzo Ruf, Washington
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Korrespondent Renzo Ruf

Korrespondent Renzo Ruf

Und deshalb bürstete Trump am Montag während des Treffens mit seinem russischen Amtskol­legen nicht gegen den Strich – sondern schmeichelte sich bei Putin ein, mit abstrusen Kommentaren, wonach die Ameri­kaner schuld daran sein sollen, dass Russland vor zwei Jahren den Versuch unternahm, den Ausgang der Präsidentenwahl zu Gunsten Trumps zu beeinflussen. Dabei schreckte er auch vor scharfer Kritik an den eigenen Geheimdiensten nicht zurück.

Man kann darüber spekulieren, warum Trump den Drang verspürt, Russland zu stärken – während er gleichzeitig alles daransetzt, das Vertrauen in die westliche Allianz zu untergraben und langjährige Alliierte vor den Kopf zu stossen. Dabei muss man nicht so weit gehen und vermuten, dass er Putin dankbar dafür ist, dass er 2016 Präsident wurde – und deshalb faktisch ein Landesverräter ist, wie es der ehemalige CIA-Direktor John Brennan formulierte. Aber die Art und Weise, wie Trump gestern wiederholte Male versuchte, Kritik am autoritär regierenden Putin abzumildern, war schlicht und einfach verstörend.

In der Praxis mag dieser Schmusekurs keine Folgen haben. Trump scheint Putin hinter verschlossenen Türen in Helsinki keine Zugeständnisse gemacht zu haben in umstrittenen Fragen wie der Annexion der Krim oder einer engeren Kooperation in Syrien. Aber der Schaden, den Trump dem Ansehen der ältesten Demokratie zufügt, der wird dauerhaft sein.

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Der amerikanische Präsident will die bilateralen Beziehungen zu Russland verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Donald Trump auch bereit, Wladimir Putin gegenüber grosse Zugeständnisse zu machen – wie er am Montag in Helsinki unter Beweis stellte.
Renzo Ruf, Washington

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Stefan Scholl, Moskau