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Kommentar

Vertrauen in die Medien steigt – doch ein Danke an die Leser ist nicht genug

Pascal Hollenstein, Leiter Publizistik CH Media, äussert sich in seinem Kommentar zum wieder steigenden Vertrauen in die Medien.
Pascal Hollenstein
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Pascal Hollenstein

Abbaupläne und finstere Zukunftsprognosen prägen die Stimmungslage des Schweizer Journalismus. Die Zeitung, in der dieser Text erscheint, macht hier keine Ausnahme. Der Journalismus befindet sich in einer ökonomischen Krise. Nicht etwa, weil es an Nachfrage mangelte. Auch diese Zeitung erreicht gedruckt und online mehr Leser als je zuvor. Das Problem ist aber, dass Werbeeinnahmen zu Google, Facebook & Co. abfliessen. Und dass die Bereitschaft, für Journalismus zu bezahlen, nicht mehr ohne weiteres gegeben ist. Manche prophezeien den Medienhäusern deshalb ein Schicksal, wie es einst die Postkutschenbetreiber erlitten haben: Die Leute reisten nicht weniger, doch die Pferde und ihre Halter sind obsolet.

Spinnen wir den Vergleich weiter. Die Eisenbahn konnte sich erst durchsetzen, als die Menschen Vertrauen in dieses Transportmittel gefasst hatten. Das war zunächst nicht ausgemacht, gab es doch warnende Stimmen, die schnelle Fortbewegung sei aus medizinischer Sicht brandgefährlich. Vertrauen ist notwendig für den Erfolg. Das gilt bei Medien noch mehr als im Transportsektor. Denn Informationen, denen niemand vertraut, sind wertlos.

Vor diesem Hintergrund reagierte die Medienbranche mit gutem Grund alarmiert, als Umfragedaten eine Erosion des Vertrauens in den Medienbetrieb zu zeigen begannen. Die Erklärung lag nicht nur im Aufkommen der sozialen Medien. Es gab auch Fehlleistung der Branche. So agierten traditionelle Medien im Vorfeld der Wahl von US-Präsident Donald Trump ideologisch verblendet. Von einem Kollektivversagen des deutschen Mediensystems muss man im Flüchtlingssommer sprechen. Die Konsumenten entzogen Medienmarken den Kredit.

Wie es scheint, ist diese Negativspirale nun aber an ein Ende gekommen. Diese Woche hat die ETH eine Studie veröffentlicht, welche zeigt, dass das Vertrauen in die Medien einen neuen Höchstwert seit Messbeginn erreicht hat. Zu ähnlichen Befunden kommt das Umfrageinstitut Gallup in den USA. Und auch in Deutschland zeigt die Kurve laut aktuellen Umfragen wieder nach oben.

Das sind gute Nachrichten, und man möchte all jenen danken, welche auch dieser Zeitung ihr Vertrauen schenken. Wichtiger aber ist: Die Umfragen belegen, dass sich Lernfähigkeit auszahlt. Im Gefolge der Vertrauenskrise haben viele Medienhäuser Faktentreue und Unvoreingenommenheit gestärkt und mehr Energie darauf verwendet, ihre Arbeit zu erklären. Und doch besteht kein Grund zur Selbstgefälligkeit. Denn die Zahlen zeigen auch, dass das Vertrauen der Jungen deutlich geringer ist als jenes der über 60-Jährigen. Das Gleiche gilt für politisch Rechte. Ein Journalismus aber, der Junge nicht überzeugt, befindet sich in der demografischen Falle. Und ein Journalismus, der das rechte Spektrum nicht erreicht, spaltet die politische Öffentlichkeit.

Beiden Herausforderungen müssen sich die Medienhäuser stellen. Es ist dies eine Frage des Überlebens, denn die Zahlungsbereitschaft der Leserschaft entscheidet à la longue, welche Medien es noch geben wird. Dabei stehen mehr als ein paar Arbeitsplätze von Journalisten, oder, wie damals: ein paar Postkutschen auf dem Spiel. «Die Menschen bezahlen für Nachrichten – entweder mit Geld oder mit einem Stück Demokratie», heisst es in der ETH-Studie. Vertrauen ist entscheidend, dass es beim Geld bleibt.

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