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Kommentar

Warum es gut ist, dass Greta Thunberg den Friedensnobelpreis nicht erhalten hat

Vor der Preisverleihung sahen die Buchmacher die Klima-Aktivistin Greta Thunberg vorne. Jetzt hat das norwegische Komitee für den Friedensnobelpreis den Politiker Abiy Ahmed gewählt. Wetten auf Greta gingen leer aus. Deutsche Twitter-Kommentatoren sind erleichtert: «Danke, dass uns diese Peinlichkeit erspart blieb.»
Christoph Bopp
Christoph Bopp

Christoph Bopp

Sagen wir es mal so: Die Entscheidung des Nobelkomitees, den diesjährigen Friedensnobelpreis nicht an die 16-jährige Greta Thunberg zu verleihen, war eine Entscheidung für die Politik. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Einmal ist es sicher nicht falsch, Persönlichkeiten, die sich in Krisengebieten für Aussöhnung und Zusammenleben eingesetzt haben, zu ehren. Dieser Praxis ist das Nobel-Komitee in den letzten Jahren gefolgt. Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat sich tatkräftig in einen Konflikt eingebracht, der von ethnischen Spannungen aufgeheizt wird. Und da helfen persönliche Initiativen am meisten. Weil sie glaubwürdig sind. Glaubwürdigkeit ist das grösste Kapital, wenn es gilt, eine Hand auszustrecken oder eine ausgestreckte Hand zu ergreifen. Internationale Anerkennung für eine Friedensofferte kann den gegenseitigen Hass am besten entlarven als das, was er ist: unverständlich.

Ein Friedensnobelpreis kann Schub geben in der Politik.

Auch wenn Abiy Ahmed noch weit entfernt vom Ziel ist, näher dran als Barack Obama ist er schon. Ihm hat man den Preis 2009 voreilig gegeben, in der Hoffnung, er möge weniger Kriege anzetteln als seine Bush-Vorgänger. Aber ein US-Präsident agiert in anderen Kraftfeldern. Abiy Ahmed hingegen wird der Schub nützen.

Mit der Häme, die ihr jetzt entgegenschlägt, wird Greta Thunberg leben können. Und das Argument, dass wer die Gesellschaft spalte, nicht für den Frieden wirke, ist ebenso daneben wie das, dass Umweltaktivismus nichts zum Frieden beitrage. Die Entscheidung des Nobel-Komitees ist aber auch im Fall der Nichtberücksichtigung eine für die Politik. Denn dort muss etwas getan werden. Greta Thunberg hat das, was man sonst gerne die Zivilgesellschaft nennt, in Bewegung gebracht. Aber diese Bewegung muss auf die Politik wirken.

Man kann die Unsicherheiten der Klimawissenschaften anerkennen. Argumente, es sei problemlos, so weiterzumachen wie bisher, lassen sich daraus aber auch nicht ableiten. Heilige sind ehrenvoll Gescheiterte. So weit sind Greta und ihre Bewegung zum Glück noch nicht. Nicht alles, worum ein Hype gemacht wird, ist deswegen Blödsinn. Aber eine Greta-Ikonisierung hätte den Hype nur noch verstärkt. Unnötig.

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