Kommentar

Wegen Corona wollen weniger Leute mit dem Öffentlichen Verkehr pendeln: Den Ausbau zu bremsen, wäre dennoch der falsche Schluss

Eine neue Umfrage zeigt: Treue ÖV-Kunden wechseln auf Auto und Velo. Auf lange Sicht wäre ein grundsätzlicher Richtungswechsel beim Ausbau des Angebots aber nicht der richtige Weg.

Roman Schenkel
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Wer in diesen Tagen in einen Bus, ein Tram oder einen Zug steigt, dürfte ein leicht mulmiges Gefühl haben. Zwar bemühen sich die Unternehmen augenscheinlich, die Sitze, Knöpfe, Armlehnen und Haltegriffe sauber zu halten – regelmässig werden etwa die Bahnwagen von Reinigungspersonal desinfiziert. Dennoch: Im Pendelverkehr lassen sich die Hygienevorgaben des Bundes kaum einhalten.

Viele Angestellte werden deshalb weiter im Homeoffice arbeiten. Auch dürften viele Pendler in Post-Coronazeiten öfter von Zuhause aus ihrer Arbeit nachgehen. Die Krise hat gezeigt, dass es nicht immer notwendig ist, den weiten Arbeitsweg auf sich zu nehmen – virtuelle schlägt physische Präsenz. Hinzu kommt: Aktuell weichen viele Personen aufs Auto oder im Stadtverkehr aufs Velo aus. Vollgestopfte Züge und Busse wird es in den nächsten Wochen – wenn überhaupt – nur im Nahverkehr geben. Im Fernverkehr aber dürfte es noch lange dauern, bis die üblichen Fahrgastzahlen wieder erreicht sind.

Nun gleich auf lange Frist geplante Ausbauschritte in Frage zu stellen, wäre aber der falsche Schluss. Die Bedeutung des ÖV für die Mobilität in unserem räumlich kleinen Land ist zu wichtig. Zudem nehmen Bahn, Tram und Bus als CO2-arme und energie­effiziente Transportmittel in der Klimadebatte eine Schlüsselrolle ein. Gleichzeitig zeigt die Coronakrise auch, dass es sich lohnt, mehrgleisig zu fahren: Alternativen wie Car Sharing oder Elektromobilität dürfen nicht ausser Acht gelassen werden.