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Kolumne

Wenn Technologie Kunst und Kultur wachküsst

Die Technik beeinflusst Kunst und Kultur, genau so wie Technologieunternehmen sich durch Kunst und Kultur immer wieder inspirieren lassen.
Edy Portmann
Edy Portmann

Edy Portmann

Kürzlich stolperte ich über sie, über «Hippomenes und Atalante» aus der griechischen Mythologie, verewigt als Bronzefigurenpaar durch den beliebten Künstler Hans Erni. Am 21. Fe­bruar wäre Erni, der vor vier Jahren in biblischem Alter verstarb, 110 Jahre alt geworden. Weit über unsere Grenze hinaus bekannt, blieb der gebürtige Luzerner seiner Heimatstadt zeitlebens treu – und dies beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit:

Obschon zuerst als Kommunist verschrien, erhielt er 1968 den Kunstpreis der Stadt Luzern, 1979 öffnete das im Verkehrshaus beherbergte Hans-Erni-Museum seine Pforten, und 2004 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen. Ein Jahr nach seinem Tod wurde zudem nahe dem Verkehrshaus ein Quai nach ihm benannt, wo sich auch die besagte Bronzefigur befindet.

In der sonst so vorzüglichen Google-App Arts & Culture sucht man diese Figur jedoch vergeblich; der populäre Luzerner ist da aber mit einer Gemäldeserie über die Olympischen Disziplinen vertreten. Dessen ungeachtet verbreitet sich Kunst heute dank Apps wie Arts & Culture rasend schnell durch Raum und Zeit, um den ganzen Erdball. Dadurch ändert sich unsere Sicht auf die Welt. Über die Zeit entwickelte sich unsere Kultur mit Mitteln, wie sie etwa in der Höhle von Lascaux eingesetzt wurden, hin zu Kunstfiguren, die von Helden wie Hippomenes und Atalante berichten. Heute digitalisieren wir auch diese.

Einen immer grösseren Teil der Kunst können Sie sich beispielsweise in der App mit Google Cardboard, einer bastelbogenähnlichen Kartonfassung, die aus Ihrem Smartphone eine «Virtual-Reality»-Brille macht, erschliessen. Diese ermöglicht Ihnen, sich in eine 360-Grad-Ansicht eines Kunstwerkes zu vertiefen oder durch Heranzoomen Geheimnisse, wie etwa den Gesichtsausdruck Poseidons im Segel-Bild von Ernis Olympia-Serie, zu entdecken. In der Schweiz entwickelte die Migros eine Cardboard-Fassung, die virtuelle Rundgänge durch Museen ermöglicht, indem sie Ihnen ihre Exponate pixelscharf zur Verfügung stellen.

«Künstler und Museen werden seit jeher von Technik inspiriert», meint der Leiter des Google Cultural Instituts, Laurent Gaveau, welcher die App mitentwickelte und fügt an, dass auch «Technologieunternehmen seit jeher von Kunst und Kultur inspiriert wurden». Die App sei eine Plattform, die helfe, Kunst zu teilen und dadurch einem breit(er)en Publikum zugänglich zu machen.

Dabei ist es kein Geheimnis, warum Google sein Institut in Paris, in der auch Erni bis in die Neunzigerjahre ein Atelier hatte, eröffnete: Mit einem eigenen Manifest prägt die Kulturstadt immerhin die Digital Humanities mit. Das Institut möchte mit Informatikmitteln und systematisch(er)em Einsatz von Ressourcen Antworten auf geisteswissenschaftliche Fragen geben und dabei auch «kulturelle» Technologien entwickeln.

Mit maschinellem Lernen lassen sich Inhalte den (Online-)Besuchern einfach(er) zur Verfügung stellen, und Archive, Bibliotheken und Museen können bei der Analyse dieser Inhalte unterstützt werden.

Das machen wir uns auch in einem Projekt an der Universität Freiburg zunutze: Mit Partnern setzen wir bei der Nationalbibliothek, dem Post- und dem Bundesarchiv auf maschinelles Lernen, um deren umfangreiche, aber bislang nicht digitalisierte Dokumente zu erschliessen. Für die Analyse werden diese ihrer Semantik nach als eine Menge von bedeutungsgleichen Daten visualisiert, die man durch Informationstürme schwebend erkunden kann. Anstatt einfacher Antworten auf Fragen, wie von Onlinesuchen gewöhnt, lässt diese Visualisierung die Dokumente viel stärker für sich sprechen.

«Technik allein reicht nicht», meinte der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs einmal, vielmehr sei es Technologie in Einklang mit Kunst- und Geisteswissenschaften, «die unser Herz zum Singen bringt».

Edy Portmann ist Informatikprofessor und Förderprofessor der Schweizerischen Post am Human-IST-Institut der Universität Freiburg.

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