Medienkolumne
Whatsapp löschen! Wirklich?

Europäische Datenschutzrichtlinien machen Nutzern das Surfen schwer. Und wo sie nützen würden, werden sie nicht ernst genommen.

Raffael Schuppisser
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Facebook würde seine Messengers gerne stärker verknüpfen.

Facebook würde seine Messengers gerne stärker verknüpfen.

Keystone

Der Datenschutz treibt kuriose Blüten. Die EU wollte das digitale Leben für Konsumenten besser machen und erarbeitete eine europäische Datenschutz-Grundverordnung. Seit 2018 muss sie umgesetzt werden. Die ersichtlichste Folge für die Nutzer: Wenn immer sie auf eine neue Website surfen, poppt ein Banner auf, der verlangt, alle Cookies zu akzeptieren. Wer dazu nicht bereit ist, muss sich mit einer Vielzahl an Einstellungen und klein gedruckten Buchstaben herumschlagen. Gut gemeint, schlecht umgesetzt: Die Bannerplage!

Dem europäischen Recht haben wir es aber auch zu verdanken, dass Nutzer von Facebook besser geschützt sind. Die neuen Nutzungsbedingungen von Whatsapp haben für EU-Bürger und Schweizerinnen so gut wie keine Konsequenzen. Facebook darf die Daten seines Chat-Services nicht intensiver Nutzen als bisher. Dennoch kursiert auch hierzulande der Aufruf, Whatsapp sofort zu löschen und eine Alternative wie Threema vorzuziehen. Kann man tun, gerade jetzt gibt’s aber kein besonderer Anlass dazu.

Anders als bei der Bannerplage könnte man hier dem Kleingedruckten problemlos zustimmen. Doch wer traute heute noch einer grossen Tech-Firma? Und wer den gut gemeinten Gesetzen?