Kommentar

Wie hoch ist das «C»?

Das «C» im Parteinamen der CVP steht wieder einmal zur Debatte. In Zeiten der politischen Polarisierung ist es jedoch ein klares Alleinstellungsmerkmal.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu

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«Vielleicht steht das ‹C› ja auch für ‹clever› – die Leistungen unserer Kantonsratsfraktion würden dies jedenfalls durchaus rechtfertigen.» Christian Ineichen, Präsident der CVP des Kantons Luzern, gibt sich selbstbewusst. Als Chef der wählerstärksten Luzerner Partei, die auch als einzige zwei Regierungsräte und die meisten Gemeinderäte stellt, muss er sich immer wieder öffentlich behaupten. Denn seiner mächtigen Mittepartei schaut man als politische Mehrheits­beschafferin zu Recht noch genauer auf die Finger.

Analysiert einer aus den eigenen Reihen in einem Gastbeitrag in unserer Zeitung die Verluste beim CVP-Wähleranteil messerscharf und fordert zwecks Neupositionierung gar das Ende des «C» im Parteinamen, dann ist Feuer im Dach. Die Debatte um das «hohe C», also den christlichen Anteil im Selbstverständnis der in der ganzen Zentralschweiz nach wie vor sehr bedeutsamen Partei, ist nicht neu. Und es ist auch nicht überraschend, wenn diese Streitfrage in der Aufwärmphase des kommenden Wahljahres nun aufpoppt. Wie wichtig ist das «C» in Zeiten zunehmender Säkularisierung überhaupt noch?

Die Beziehung der Menschen zur Religion schwindet. Das christliche Etikett ist folglich keine einfache Marke. Das «C» steht primär für eine Wertehaltung. Werte sind nicht absolut, sie wandeln sich und müssen immer wieder neu diskutiert werden. Das «C» ist Ausdruck für die christlich-abendländische Kultur, eine Grundlage unserer Gesellschaft. Es steht auch für Werte wie Toleranz, Menschenwürde, Nächstenliebe. Man kann das als Bürger und Wähler gut finden oder nicht. In Zeiten der politischen Polarisierung gibt es der für den Ausgleich so wichtigen Mittepartei zumindest ein klares Alleinstellungsmerkmal.