Kommentar

Wieso nicht einmal für ein effizienteres Gesundheitswesen auf die Strasse gehen?

«Prämienschock»? Der Kostenschub bei den Krankenkassen wird zwar kommen, aber im üblichen Rahmen. Unser Redaktor meint trotzdem: Es braucht ein stärkeres Zeichen.

Andreas Möckli
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Der Krankenkassenverband Santésuisse warnt vor einem neuen Kostenschub in der Grundversicherung. Die kurze Atempause in den beiden vergangenen Jahren sei vorbei. Für dieses und nächstes Jahr rechnet der Verband mit einem Kostenwachstum von jeweils drei Prozent. Die fast schon alarmistische Botschaft wurde von diversen Medien zu einem «Prämienschock» umgemünzt.

Allerdings bewegt sich die Prognose von Santésuisse im üblichen Rahmen. Seit 2008 steigen die Ausgaben in der Grundversicherung im Schnitt um jährlich rund 3,5 Prozent. Natürlich ist dies ein schwacher Trost für die Prämienzahler. Gerade für Familien mit geringen Einkommen ist die Rechnung der Krankenversicherer kaum noch zu stemmen.

Während viele unter der Prämienlast ächzen, geht das Schwarz-Peter-Spiel unter den Akteuren im Gesundheitswesen munter weiter. Trotz einigem Aktivismus der Parteien – begünstigt durch das Wahljahr – bleiben viele Baustellen ungelöst. Stichworte dazu sind die hohe Spitaldichte, schier unendliche Debatten über Tarife und einheitliche Finanzierung oder die hohen Preise der Generika.

An sich sind die Probleme erkannt, der Druck der Prämienzahler ist da, endlich vorwärtszumachen. Doch Branchenakteure wie Ärzte, Apotheker, Spitäler oder die Pharmaindustrie verteidigen weiterhin ihre Pfründe. Offensichtlich braucht es ein stärkeres Zeichen der Bevölkerung. Wieso nicht einmal für ein effizienteres Gesundheitswesen auf die Strasse gehen? Die Frauen haben letzte Woche vorgemacht, wie es geht.