Kommentar

Wir sind unseren Handys nicht ausgeliefert. Etwas mehr Selbstverantwortung bitte!

Redakteur Gregory Remez über die Herausforderung, nicht zu viel Zeit am Handy zu verbringen.

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Über zehn Jahre ist es nun her, dass das Smartphone in unser Leben getreten ist. Wie bei allen grossen technologischen Innovationen hatten sich damals die Heilsversprecher und die Apokalyptiker schnell positioniert. Die einen versprachen eine schöne neue, vernetzte Welt mit lebenserleichternden Anwendungen. Die anderen warnten vor dem Suchtpotenzial sowie vor der Atomisierung der Gesellschaft infolge von Eskapismus. Recht hatten beide, wie sich heute zeigt. Allmählich dämmert uns, was dieses kleine Ding in unserer Hosentasche mit uns macht. Wir sehen die Zwänge, die sich durch dessen Einzug in unseren Alltag ergeben. Doch scheint sich niemand wirklich Gedanken machen zu wollen, wie damit umzugehen ist.

Und so haben die Warnrufe der Tech-Kassandras wieder Hochkonjunktur. Es formieren sich ganze Bewegungen, die nach digitaler Entschleunigung schreien und sich die vermeintliche Zwanglosigkeit analoger Zeiten zurückwünschen. Digitalisierungsmüde lassen sich in sogenannten «Digital Detox»-Camps ein Wochenende lang für Hunderte von Franken ihr Smartphone abnehmen und fragen sich anschliessend, wieso sie sich nicht weniger gestresst fühlen. Pharisäer. Allesamt.

Soll das unsere Antwort auf Herausforderungen wie den digitalen Strukturwandel sein? Den Kopf in den Sand stecken und auf bessere Zeiten warten? Ein bisschen mehr Selbstverantwortung, bitte! Man könnte meinen, die Betroffenen wären ihren Geräten ohnmächtig ausgeliefert und könnten ihrem digitalen Unbehagen nicht mit etwas Willen ein Ende bereiten. Fehlt noch, dass wir bald das Bewerben von Smartphones verbieten – weil diese ja so süchtig machen.