Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kommentar

Worte statt Taten von Papst Franziskus

Die Missbrauchskonferenz im Vatikan war zwar kein Fiasko, wie sie nun von verschiedenen Seiten kritisiert wird. Sie war aber auch kein Befreiungsschlag für Papst Franziskus.
Dominik Straub, Rom
Dominik Straub

Dominik Straub

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass eine Institution, die sich seit 2000 Jahren in sexuellen Belangen als Moralapostel aufspielt, eine Konferenz einberufen muss, an der es um schwerste Sexualverbrechen der eigenen Mitglieder geht. Aber der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt blieb keine andere Wahl: Der Missbrauchsskandal mit weltweit tausenden fehlbaren Priestern und Hunderttausenden Opfern hat die Kirche in einen Abgrund blicken lassen, der ihre Existenz bedroht.

Das öffentliche Interesse an dem Treffen war gewaltig: Über 700 akkreditierte Journalisten verfolgten die Konferenz, eine Zahl, die sonst nur bei Papstwahlen übertroffen wird. Hoch waren auch die Erwartungen. Die Opfer – aber auch gewöhnliche Gläubige – forderten klare Richtlinien zur Bestrafung der Täter, ihre automatische Entfernung aus kirchlichen Ämtern, obligatorische Anzeigen an die zivilen Gerichtsbehörden, ein Ende der Vertuschung.

Doch von all dem war in der Abschlussrede von Papst Franziskus keine Spur. Der Pontifex hat zwar die schon bei seinem Amtsantritt versprochene «Nulltoleranz» gegenüber den Tätern bekräftigt – aber konkrete Massnahmen hat er nicht in Aussicht gestellt. Die Rede des Papstes deswegen als «schamlos» oder als «Fiasko» zu bezeichnen, ist überzogen: Dass an der Konferenz bereits Beschlüsse gefasst würden, war von Anfang an nicht vorgesehen.

Ob der Kongress die Wende bringen kann, wird man in einigen Monaten wissen: Sollten die von Kardinälen wie dem deutschen Reinhard Marx vorgeschlagenen Reformen umgesetzt werden, dann könnte das Treffen im Nachhinein noch «historisch» werden. Doch letztlich werden griffige Massnahmen der Zustimmung des Papstes bedürfen. Bis jetzt gibt es von Franziskus aber vorwiegend Worte statt Taten – und deswegen war die Konferenz (noch) kein Befreiungsschlag.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.