Kommentar

Ladenöffnungszeiten: Zeit zum Einkassieren

Nach jahrelangem Streit scheint ein tauglicher Kompromissvorschlag nun endlich da zu sein. Wichtig ist dabei aber, dass das Verkaufspersonal dabei nicht vergessen wird.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu.

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Das hören viele Luzernerinnen und Luzerner gar nicht gern. Aber es ist nun mal eine Tatsache: Der grösste Zentralschweizer Kanton ist bei den Ladenöffnungszeiten ein Widerstandsnest sondergleichen. Und die Situation scheint sich gar zu akzentuieren: Obwohl alle anderen Kantone bereits gar keine oder liberalere Gesetze zu Öffnungszeiten haben, sind politische Forderungen nach weiteren Ausdehnungen auf dem Tisch. Auch die grossen Detailhändler halten den Druck hoch, die Registrierkassen möglichst lange rattern lassen zu können. Klar ist: In dieser eher margenschwachen Branche würde man die Randzeiten frühmorgens und in die Nacht hinein nicht bewirtschaften wollen, wenn sich dies nicht auch lohnte.

Im Kanton Luzern liegt nach jahrelangem politischen Streit zwischen den Parteien, Verbänden, Gewerkschaften und zwischen Stadt und Landschaft ein tauglicher Kompromissvorschlag auf dem Tisch: Eine leichte Ausdehnung der Öffnungszeiten um eine halbe Stunde abends und um eine Stunde samstags. Selbst für die hierin noch nicht berücksichtige Forderung der städtischen Wirtschaftsvereinigungen, weiterhin zwei Abendeinkäufe (dafür nur bis 20 Uhr) anbieten zu können, hat es noch Luft.

Wichtig im Gerangel um den dringend nötigen Kompromiss: Beim Schutz des Verkaufspersonals darf es nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleiben. Die Arbeitnehmervertreter ihrerseits müssen aber auch vorausschauen. Ob gut oder schlecht: Es wird künftig weniger Personal brauchen. Die Geschäfte automatisieren den Verkauf zunehmend, übertragen das Einkassieren den Kunden. Arbeitszeitregeln werden an Bedeutung verlieren, unbediente 24-Stunden-Läden an stark frequentierten Orten sind keine Utopien mehr.