Lang lebe das Sommerloch!

Dann, wenn zu wenig passiert um die Zeitungen zu füllen, geraten Redakteure in Panik. Medienkolumnistin Alexandra Stark kann dem berühmt berüchtigten Sommerloch auch Positives abgewinnen.

Alexandra Stark
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Alexandra Stark.

Alexandra Stark.

Ralph Ribi

Sind Sie dem Sommerloch schon einmal begegnet? Oder kennen Sie es nur vom Hörensagen? Wir auf den Redaktionen kennen es sehr gut. Es zeigt sich an den bangen Momenten der morgendlichen Redaktionssitzung, wenn die Verantwortlichen fragen: «Hät no öppert es Thema...? Nei? OK, mer lueged emol, villicht passiert jo denn no öppis!»

Das Problem mit dem Sommerloch ist: Es passiert mit grosser Wahrscheinlichkeit nichts. Denn es sind ja alle in den Ferien. Die Zeitung muss aber trotzdem gefüllt werden. Wir können ja nicht einfach «Sommerloch» über leere Seiten schreiben.

Als Leserinnen und Leser kennen Sie wahrscheinlich auch eine Art Sommerloch, vor allem dann, wenn Sie auf dem Handy lesen. In den Sommerferien haben Sie plötzlich ganz viel Zeit. Und was tun die meisten von uns (ich auch!) damit? Wie der Blick in die Statistik zeigt: in den allermeisten Fällen noch mehr auf dem Handy rumdrücken als sonst schon.

Das Sommerloch ist also etwas, das wir unbedingt füllen wollen. Warum eigentlich? Haben wir nicht alle das ganze Jahr schon genug um die Ohren?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr frage ich mich: Ist das Sommerloch nicht eine grossartige Sache? Und ist es nicht auch toll, wenn mal ein paar Wochen weniger los ist? Ich träume davon, dass auf der Startseite meines Vertrauensmediums so etwas steht wie «Hier gibt es heute für Sie nichts Neues, was Sie interessiert. Kommen Sie morgen wieder.»

Dann hätte ich endlich Zeit, um...– hmmm...ja, um was denn zu machen? Das muss ich mir noch überlegen!

Journalistin, Dozentin und Mitglied des Publizistischen Ausschusses CH Media