Leserbrief
Auch andere Probleme angehen

«Ein Fall sorgt für Furore: Wer darf in die Frauenbadi?», Ausgabe vom 15. September

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Vorab, ich bin mit dem Thema vertraut und absolut ohne Vorurteile, denn mein Vater sel. hat sich 1994 mit 49 Jahren zur Frau umoperieren lassen. Ich habe während 25 Jahren eine lange Leidenszeit miterlebt und damals waren die Anfeindungen wahrscheinlich noch grösser als heute.

Trotzdem kann ich nicht verstehen, dass diesem Thema so viel Raum gegeben wird und in der Ausgabe zwei volle Seiten füllt. Es handelt sich um einige 100 Menschen, die sich diskriminiert fühlen – unter anderem, wenn sie als Frau mit Schnauz nicht in eine Frauenbadi gelassen werden.

Mein Partner ist seit 1996 nach einem Sportunfall querschnittgelähmt und im Rollstuhl. Im Jahre 2022 kann ein Rollstuhlfahrer an vielen Orten gar nicht zur Toilette (das ist ja bei LBGTQ heute auch ein grosses Thema) oder aber muss als Mann in die Damentoilette. Ich wünsche mir, dass dieser Problematik mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird – vor allem auch durch die Medien. Immerhin gibt es in der Schweiz über eine 1 Million Menschen mit Beeinträchtigungen.

Schön, dass Sie immerhin in der gleichen Ausgabe auf einer halben Seite die Problematik «geflüchtet mit Handicap» gebracht haben. Aber auch hier schreiben Sie: Die Behörden scheinen dafür nicht genügend vorbereitet. Wie auch ... wenn es schon nicht möglich ist, dass alle Ämter barrierefrei sind?

Susi Gallmann, Baar