Leserbriefe
Lesermeinungen zur überarbeiteten Spitalliste des Kantons Zug

Zur Zukunft der Andreas-Klinik in Cham

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In der Medienmitteilung vom 13. Mai 2019 stellte der Regierungsrat den Ablauf der Spitalplanung vor, die unter anderem auch eine angepasste Spitalliste per 2022 beinhaltet. Es soll zuerst der Bedarf an stationären medizinischen Leistungen analysiert werden und eine Prognose für das Jahr 2030 erstellt werden.

Die Ergebnisse dieser Analyse sowie die Prognosen bis 2035 sind im Versorgungsbericht (Obsan Bericht 08/2020) nachzulesen. Im Basisszenario geht die Prognose des künftigen Versorgungsbedarfs von einer Zunahme der Fallzahlen um 30 Prozent bis 2035 aus. Ebenfalls ist in diesem Bericht ersichtlich, dass die Andreas-Klinik elf Prozent der Grundversorgung übernimmt und rund 25 Prozent der Fälle in der Gynäkologie und der Geburtshilfe stemmt. Im Nachgang zu diesem Versorgungsbericht wurden sämtliche Leistungsaufträge neu ausgeschrieben und es wurden elf Grundsätze für die Erstellung der neuen Spitalliste durch den Regierungsrat beschlossen. Grundsatz 1: «Die Grundversorgung wird wohnortnah – in der Regel innerkantonal – sichergestellt.»

Nun teilt der Gesundheitsdirektor Martin Pfister Ende Mai via Medienmitteilung mit, dass die Andreas-Klinik, gemäss aktuellem Entwurf der Spitalliste für die Grundversorgung nicht mehr berücksichtig wird. Neu wäre nur noch das Zuger Kantonsspital für die Grund- und Notfallversorgung im Kanton Zug zuständig, welches aktuell 68 Prozent der Grundversorgung übernimmt. Wie dies in Baar unter Berücksichtigung des geplanten Wachstums realisiert werden soll, ist für mich schleierhaft. Ob diese Spitalplanung dem Artikel 117a der Schweizerischen Bundesverfassung gerecht wird, sollte ebenfalls geprüft werden. Dieser Bundesbeschluss, der am 18. Mai 2014 mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 88 Prozent angenommen wurde, verpflichtet Bund und Kantone, für eine ausreichende, allen zugängliche, medizinische Grundversorgung von hoher Qualität zu sorgen. Die wichtige Rolle der Andreas-Klinik in Bezug auf die Geburten soll gemäss Mitteilung in einem separaten Projekt geklärt werden. Was dies genau bedeutet, ist ebenfalls unklar.

Eine solch fragwürdige Spitalplanung sowie dieser Entwurf der Spitalliste dürfen auf keinen Fall Realität werden. Es steht die Wahlfreiheit sowie die aktuell hohe Qualität der medizinischen Grund- und Notfallversorgung im Kanton Zug auf dem Spiel. Auch Arbeits- und Ausbildungsplätze in Cham sind gefährdet. Ich hoffe, dass die Gesundheitsdirektion rasch und selbstkritisch die geplante Spitalliste überdenkt.

Hans Jörg Villiger, Vorstand SVP Cham


Die Diskussion über die Spitalliste beschäftigt auch das Gewerbe in Cham. Ein Abbau von Leistungen bei der Andreas-Klinik hätte sicher auch personelle Konsequenzen, die angegliederten Arztpraxen müssten sich neu orientieren und eine Abwanderung von Leistungen aus dem Kanton Zug ist sicher zu befürchten.

Die Hirslanden-Klinik investiert jährlich in Ausbauten, Sanierungen und Anpassungen der Infrastruktur und der Gebäudehülle. Diese Gelder fliessen in das Handwerk und beschäftigen Unternehmen mit ihren Angestellten und sichern somit auch die gewerblichen Ausbildungsplätze. Sollte das Spital kürzertreten müssen, wären auch da Einsparungen unumgänglich. Ein funktionierendes Spitalsystem im Kanton Zug soll umgekrempelt werden, wo bleibt da der Nutzen? In der Sache gibt es am Ende nur Verlierer – vor allem die Patienten werden dies dann leider zu spüren bekommen.

Peter Gisler, Unternehmer und Vizepräsident Gewerbeverein Cham