Leserbriefe
Lesermeinungen zu den bevorstehenden Wahlen

Zu den Gesamterneuerungswahlen im Kanton Zug vom 2.Oktober

Drucken

In den Artikeln über Frauenförderung in der «Zuger Zeitung» vom 16. September ist die Aussage deutlich: Es politisieren im Kanton Zug zu wenige Frauen, und der Frauenanteil ist tiefer als im schweizerischen Durchschnitt. Hier muss sich etwas ändern. Die Frage ist nur, wie? Gemäss der Reaktionen einiger Parteien ist es schwierig für Frauen, sich für politische Ämter zur Verfügung zu stellen, weil sie Familie haben und darum schon stark in der Kinderbetreuung engagiert sind. Das tönt so, als könnte jemand, der/die Kinder hat, die betreut werden müssen, nicht in der Politik tätig sein. Tatsache ist aber, dass viele der Zuger Parlamentarier Familie haben und sich da offensichtlich Beruf, Familie und Politik bestens unter einen Hut bringen lassen.

Als berufstätige Mutter, die seit 23 Jahren Berufstätigkeit und Familienarbeit gleichmässig mit ihrem Partner aufteilt, frage ich mich, was denn den Unterschied ausmacht. Offensichtlich ist für eine berufstätige Mutter der Anteil Familienarbeit so gross, dass ihr für Politik keine Zeit mehr bleibt, während ein berufstätiger Mann mit Familie so wenig ausgelastet ist, dass er daneben problemlos noch politisieren kann. Da liegt die Lösung des Problems für mich auf der Hand:

Damit sowohl Frauen als auch Männer ihre Fähigkeit und ihren Willen, zu politisieren, zur Geltung bringen können, braucht es mehr Männer, die sich ernsthaft in der Familie engagieren und ihre Hälfte Arbeit dort übernehmen. So haben auch wir Frauen den Rücken frei für politisches Engagement.

Gabriela Fürrer Auf der Maur, Oberwil


Aus dem Zeitungsbericht «Frauenförderung: Sache der Linken» vom 16. September geht hervor: Je rechter die Partei, desto geringer der Frauenanteil. Was sind die Gründe? Fördern die Mitte- und Rechts-Parteien ihre Frauen zu wenig oder liegen die Gründe ganz woanders? Zu dieser Frage kann ich nur zur SVP Stellung beziehen.

Ist es nicht so, dass es trotz aller Gleichstellungsversuche im Naturell der Frauen liegt, dass sie mehr über die Gefühlsebene gesteuert und vielleicht tendenziell auch harmonie­bedürftiger sind als Männer? Geschlechtsspezifische Eigenschaften zeigen sich ja auch in der Berufswahl. So wählen junge Männer laut Bundesamt für Statistik häufiger technische Berufe und Studiengänge wie z.B. Ingenieurwesen, Bau- und verarbeitendes Gewerbe. Junge Frauen hingegen treten häufiger in Berufsausbildungen und Studiengänge des Gesundheits- und Sozialwesens ein.

Könnte dies nicht ein Grund sein, dass die Frauen nur schon durch diesen Umstand tendenziell eher in der Mittepartei oder in den Mainstream-Parteien wie z.B. der SP, der ALG und der GLP anzutreffen sind?

Einen weiteren für mich ausschlaggebenden Grund sehe ich darin, dass der SVP oft ein eisiger Wind entgegenweht. Man muss damit rechnen, dass man geschnitten und angepöbelt wird, ja es kann sogar zu Anfeindungen kommen. Diesen eisigen Wind gilt es auszuhalten, eine dicke Haut ist unabdingbar, was Frauen wahrscheinlich eher von einem politischen Engagement gerade in der SVP abhält.

Ich bin aber sicher, dass jede Frau mit Engagement und den entsprechenden Fähigkeiten in der SVP willkommen ist und eine reelle Chance hat, aufgestellt zu werden. Wer sich an der Tatsache stört, dass im rechten Lager zu wenig Frauen politisieren, setze am 2. Oktober die auf dem Wahlzettel der SVP aufgeführten Frauen zweimal auf die Liste.

Fränzi Keiser, Kantonsratskandidatin SVP, Baar


In schwierigen Zeiten stehen Menschen zusammen, sie stützen sich gegenseitig und solidarisieren sich. Wir leben in einer Zeit voller Herausforderungen: die Klimaerwärmung, die Pandemie, jetzt der Krieg in der Ukraine und die daraus folgenden Verwerfungen auf den Energiemärkten. Wir sind überzeugt, diese Krisen können gemeistert werden, wenn wir zusammenstehen und wenn wir bei der Suche nach Lösungen alle verschiedenen Meinungen einbeziehen.

Für die kommenden Wahlen heisst das: Alle politischen Kräfte sollen in unseren kantonalen und kommunalen Exekutiven vertreten sein. Seit vier Jahren hat der Kanton Zug eine rein bürgerliche Regierung. Viele – auch bürgerliche Kreise – waren nach den letzten Wahlen schockiert. Die Alternativen – die Grünen, die SP und die CSP, haben ihre Hausaufgaben gemacht und treten gemeinsam mit einer äussert erfahrenen Kandidatin an, welche über alle Voraussetzungen für das Amt einer Regierungsrätin verfügt.

Geben Sie Ihre Stimme der Kandidatin von ALG, SP und CSP. Damit die Zusammengehörigkeit über alle Parteigrenzen hinaus auch im Regierungsgebäude ihren Niederschlag findet. Damit breit abgestützte Lösungen für die Herausforderungen der heutigen Zeit gefunden werden.

Andreas Lustenberger, Parteipräsident Alternative – die Grünen, Baar


Im Vorfeld der Wahlen wird von den Parteien immer wieder vom erfolgreichen Kanton Zug mit seiner hohen Lebensqualität, seiner guten Infrastruktur, seinen attraktiven Arbeitsplätzen, seinen vorzüglichen Bildungsstätten und von seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gesprochen. Dies soll – so versprechen uns die Kandidatinnen und Kandidaten – so bleiben. Zu Recht darf die Frage gestellt werden, wer in den vergangenen Jahrzehnten diese Ausgangslage geschaffen hat. Waren es die Parteien, die in unserem Kanton damals noch gar nicht existierten? Es waren die CVP (heute Mitte) und die FDP, die vor fünfzig Jahren bei der Erarbeitung dieses soliden Fundaments die überwiegende Mehrheit in der Regierung und im Kantonsrat stellten. Der Weitsicht dieser beiden Parteien haben wir einen grossen Teil des heutigen Zuger Wohlstands zu verdanken. Die Mitte war es, die bei den letzten Wahlen als einzige bürgerliche Partei eine Frau für den Regierungsrat vorgeschlagen hat. Die Bevölkerung hat es ihr mit der erfolgreichen Wahl ihrer Kandidatin anerkannt. Wenn die Mitte nach dem Rücktritt eines ihrer drei Mandatsträger eine junge Frau als Nachfolgerin vorschlägt, die als Rechtsanwältin zudem beste Voraussetzungen für die freiwerdende Sicherheitsdirektion besitzt, so nimmt die Partei das vor vier Jahren erhaltene Vertrauen des Souveräns wieder auf.

Das von der Mitte nominierte Trio bietet beste Gewähr, dass Zug – wie wir alle wünschen – weiterhin erfolgreich bleibt.

Peter Bieri, alt Ständerat Mitte, Hünenberg


Verbindlich sein, zuhören können, pragmatische Lösungen suchen und umsetzen, «Land und Leute» in der Stadt und im Kanton gut kennen, Brückenbauer sein, strategisch denken, Teamplayer und führungsstark sein und das Herz am richtigen Ort haben.

Wichtig erscheint mir auch, dass der neue Stadtpräsident mindestens zwei Legislaturperioden an Bord bleibt. Das sind für mich die wichtigsten Attribute, die ein Stadtpräsident haben muss. Der Kandidat aus dem Herti-Quartier bringt das mit. Als Herti-Bewohner ist es mir zudem ein Anliegen, dass unser grosses Quartier weiterhin durch mindestens eine Person im Stadtrat vertreten wird. Am besten als neuer Stadtpräsident.

Hugo Halter, alt GGR-Präsident CVP, Zug

Was sind das für Zustände, wenn an unserer Hauptstrasse in Menzingen ein anonymer Mob Plakate mit Porträts von Politikerinnen mit Fäusten und Füssen traktiert? Eine solch feige Hinterhältigkeit gegenüber meiner Tochter und einer Regierungsratskandidatin nehme ich nicht unwidersprochen hin.

Just 21 Jahre nach dem Zuger Attentat kommt es mir wieder hoch, was ich damals im Kantonsratssaal von einem Amoklaufenden miterlitten habe. Seither sind mir Zeichen von Gewaltäusserungen gegen Menschen in der Politik eine ernst zu nehmende Warnung. Und ich appelliere an die Einsicht derjenigen, die vielleicht nichts dabei gedacht haben, welch symbolischen Schaden sie, über ihren Vandalen Akt hinaus, angerichtet haben. Wenn sich jemand nicht gerecht behandelt fühlt, dann sucht doch bitte das Gespräch. Und wer sich nicht persönlich getraut, die kantonale Ombudsstelle ist dafür geschaffen, um zu helfen.

Als Zeichen, dass wir Gewalt auch in Menzingen nicht hinnehmen, habe ich persönlich die zerstörten Plakate wieder ersetzt.

Josef Marty, alt Kantonsrat ALG, Menzingen