Ungeeignet

«Satz+Pfeffer-Lesebühne sitzt auf Schulden», Ausgabe vom 20. September

Roland Seeliger, Zug
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Eine Streichung der Aufführungen auf der Lesebühne würde der Regierungsrat bedauern». Nachdem der Regierungsrat das Gesuch für einen Beitrag an den Umbau der kleinen Theaterbühne ohne Beweggründe abgelehnt hatte, ist diese Aussage von Stephan Schleiss der reine Zynismus. Der Beitrag von 97000 Franken wurde zwar von der Kulturkommission gutgeheissen, das sei aber für den Regierungsrat «nicht bindend».

Generell wird das Geld im Kanton Zug für Kultur mit der grossen Kelle gesprochen. Unbegreiflich, dass ein Projekt, das im kleinen Theater für mehr Raum und Luft (Coronamassnahmen) angegangen wurde, nun eine mehr als zweifelhafte Absage erhält. Befremdlich auch, dass der Beitrag nicht vom Steuerzahler, sondern aus dem Lotteriefond gesprochen worden wäre. Wie Henry Bachmann in seinem Leserbrief vom 23. September feststellt, müsste baldmöglichst ein unabhängiges Gremium für Ausschüttungen des Fonds gegründet werden. Die Regierung scheint nicht dafür geeignet!

Als ich zu einem Auftritt in der Satz&Pfeffer-Lesebühne nach Zug eingeladen wurde, habe ich dieses Theäterchen als einen der innovativsten, ungewöhnlichsten und sympathischsten Kulturorte der Schweiz kennen gelernt. Was dort mit geringsten Mitteln geleistet wurde, war für mich einfach staunenswert, und ich bin gern wiedergekommen. Entsprechend war die Meldung, dass diese Einrichtung, um die andere Städte Zug beneiden, jetzt wahrscheinlich wegen eines negativen Entscheids des Zuger Regierungsrats zur Schliessung verurteilt sein wird, für mich ein Schock. Der von der Kulturkommission befürwortete Umbau sei kein «Transformationsprojekt», heisst es wohl in der Begründung. Nun ja. Der amtliche Entscheid sorgt sehr wohl für eine Transformation: Die des Kantons Zug in einen Ort, wo man für vieles Geld hat, nur nicht für die eigene Kultur.