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Abgastests: Der Industrie blind vertraut

«‹Abscheulich und widerlich›», Ausgabe vom 30. Januar
Jürg Röthlisberger, Cham

«Abscheulich und widerlich» – die Überschrift für den Text über erneute kriminelle Abgas-Betrügereien ist richtig gewählt. Aber gleich wie bei Terror­anschlägen genügt es auf die Dauer nicht, wenn die Politiker jedes Mal ihre «Betroffenheit» und «Bestürzung» kundtun.

Erinnern wir uns an die Situation gegen Ende des 20. Jahrhunderts: Der Club von Rom versetzte die ganze Welt mit seinen apokalyptischen Umweltprognosen in Angst und Schrecken. Neben allen bei Zukunftsvoraussagen unvermeidlichen Irrtümern und Ungenauigkeiten wurde aber die damalige Grundaussage in den rund 40 Jahren seither eigentlich immer klarer bestätigt: Wenn uns die Rohstoffe nicht vorher ausgehen, richtet sich die Menschheit über kurz oder lang durch die Umweltverschmutzung zu Grunde.

Auch in der Schweiz war man sich damals bewusst, dass es in Sachen Rohstoffverschwendung und Umweltverschmutzung so nicht weitergehen kann. Die hemmungslose Ausweitung des privaten Motorverkehrs wurde durch temporäre Fahrverbote und Verzicht auf weitere Strassenbauten rigoros in Frage gestellt. Mit Ausnahme der Schaffung verkehrsarmer Zentren hatten diese Vorstösse allerdings praktisch keinen Erfolg. Als Alternative überzeugten technologische Massnahmen zur Abgasreduktion nicht nur die Automobilindus­trie und die Bürgerlichen, sondern sogar die Linksparteien und viele Umweltschützer. Vergessen blieb dabei, dass die Autofahrer den Informationen der Industrie blind vertrauten. Die allerwenigsten waren ja in der Lage, die Abgaswerte des eigenen Fahrzeugs zu messen.

Seit Herbst 2015 kommen im Abgas-Messbereich aber in regelmässigen Abständen immer neue Betrügereien und Korruptionsfälle ans Tageslicht. Möglicherweise sind ja fast alle behaupteten und publizierten Abgaswerte irgendwie gefälscht; ein solcher Pauschalverdacht ist nach den jüngsten Enthüllungen eigentlich logisch. Das Mindeste von der Politik aus wäre, bei der Umweltverträglichkeit von geplanten und auch bereits bestehenden Verkehrsanlagen einen neuen und strengeren Massstab anzulegen, welcher von den höheren, korrigierten Abgaswerten ausgeht.

Nur nebenbei: Der angeprangerte Menschenversuch zur Abgaswirkung wird in der Schweiz seit Jahrzehnten mit all den Anwohnern dicht befahrener Strassen schon lange gemacht. Aber in der Regel kommen so viele weitere Stressfaktoren dazu, dass man sich um eine wissenschaftliche Auswertung fein zieren kann.

Jürg Röthlisberger, Cham

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