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Andere müssten solche Auszeichnungen vornehmen

«Malters: ‹Diplom› soll Freiwillige belohnen», Ausgabe vom 22. Januar
Lukas Niederberger, Geschäftsleiter Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (sgg), Zürich

Diese Zeitung berichtet, dass die Gemeinde Malters den Freiwilligen in den rund 80 Vereinen der Gemeinde einen Leistungsnachweis ausstellt. Leider versteckt sich ein völliges Missverständnis der Rollen hinter dieser edel wirkenden Geste.

In der Schweiz sorgen Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft (mit ihren Vereinen, Kirchen und Gruppen) sowie Private (in Familie und Partnerschaft) in Ergänzung dafür, dass die gesellschaftlich notwendigen Dienste wahrgenommen werden. Freiwilligenarbeit ist Teil der Zivilgesellschaft und organisiert sich grundsätzlich selbst. Der Staat, in diesem Fall die Gemeinde, kann Vereine unterstützen und diesen zum Beispiel Geld, Infrastruktur oder Dienstleistungen zur Verfügung stellen.

Vergibt aber eine Gemeinde Diplome oder Leistungsnachweise an Freiwillige in Vereinen, dann stellt sich der Staat über die Zivilgesellschaft. Es liegt an der Zivilgesellschaft und den Vereinen selbst, Diplome und Leistungsnachweise an ihre Mitarbeitenden und Freiwilligen auszustellen, es sei denn, die Freiwilligen wirken unentgeltlich für die Gemeinde selbst, zum Beispiel in der Feuerwehr oder in der Schulkommission. Es kommt ja auch keinem Verein in den Sinn, den Gemeindeangestellten oder den Kaderleuten in lokalen KMU einen Leistungsausweis auszustellen. Wenn die Gemeinde die Leistungen der Vereine beurteilt und belohnt, stellt sich zudem die Frage, wie sich die Gemeinde verhält, wenn es sich beim Verein beispielsweise um ein Netzwerk für illegale Flüchtlinge handelt.

Entweder müsste die Gemeinde diese Freiwilligenarbeit genauso belohnen wie die Arbeit im Fussballclub und in der Blasmusik, was sie in ein Dilemma bringen würde. Oder sie müsste sich den Vorwurf der Willkür gefallen lassen, wenn sie die Vereine ungleich behandelt.

Darum bleibt nur eine Lösung: die Übung abbrechen und den Vereinen sowie Benevol das Auszeichnen und Nachweisen von Freiwilligenarbeit überlassen. Dass diese Zeitung diesen staatlichen Übergriff mit keinem Wort in Frage stellte, ist ein weiteres Problem.

Lukas Niederberger, Geschäftsleiter Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), Zürich

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