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Annäherung zwischen Nord- und Südkorea: Ist das alles eine Politposse?

«Kim und Moon verblüffen die Welt», Ausgabe vom 28. April
Peter Frankenstein, Baar

Beim Anblick der zwei sich umarmenden und Küsschen austauschenden Herren – der Dicke aus dem verarmten Norden und der eher Schlanke aus dem prosperierenden Süden – überkam mich, rein stimmungsmässig, ein Gefühlsmix, bestehend aus einem Lachen (Laurel und Hardy) auf der einen und einem tiefen Misstrauen auf der anderen Seite, denn eine derartige Wendehalsdiplomatie hat sich – rein historisch betrachtet – nie und nimmer bewährt.

Was den Nordkoreaner anbelangt, so muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wie er quasi urplötzlich zu solchen verbalen Friedensschalmeien findet, nachdem er während Jahren seinen Landsleuten im Süden und den Amerikanern nur mit Tod und Vernichtung gedroht hat. Unwillkürlich überkommen einen Fragen der Ehrlichkeit, der wahren Absichten und wer wohl dahinter steckt. In diesem Falle können es mit Sicherheit nur die Chinesen gewesen sein; denn schon aus rein wirtschaftlichen Gründen sind sie auf das Überleben der USA angewiesen. Es ist deshalb gut vorstellbar, dass sie als Auslöser des Wendehalsgedankens zu betrachten sind und sich der Dicke aus Nordkorea – als Vasall von Peking – wohl oder übel fügen musste.

Und der eher schlanke Herr aus dem Süden – hat er die Gedankenwelt seines Landsmannes aus dem Norden durchschaut? Man muss wohl annehmen, dass er dies tat; denn so naiv kann er nicht sein, als dass er die so plötzlich geäusserten süssen Worte aus dem Norden für bare Münze hält – zumal noch vor kurzem mittels Atombomben und Raketen so völlig anders argumentiert wurde. Als Zeichen des guten Willens – und der Überlegenheit des kapitalistischen Systems – könnte beispielsweise der Süden sich aufraffen und jedem Nordkoreaner ein «Fresspäckli» zur Verfügung stellen, mit einem «Nötli» darin. Das würde in einem mausarmen Land eine Welle der Sympathie für den Süden auslösen, und der Wirtschaft würde es gut tun im Sinne einer Ankurbelung.

Nun, es ist selbstverständlich eine Frage der persönlichen Einstellung, ob man der nordkoreanischen Schmeicheloffensive mit etwas Skepsis begegnen soll oder nicht. Tatsache ist und bleibt es jedenfalls, wonach ein Mensch umso unglaubwürdiger wirkt, je «wendehalsiger» er sich manifestiert.

Peter Frankenstein, Baar

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