Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Das aktuelle Geldsystem ist das eigentliche Experiment

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 10. Juni über die Volksinitiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank! (Vollgeld-Initiative»)
Thomas Brändle, Alt Kantonsrat Fdp, Autor, Unternehmer, Mitglied Des Initiativkomitees, Unterägeri

Im Zusammenhang mit der Volksabstimmung vom 10. Juni 2018 zur Vollgeld-Initiative sollten wir uns an den damaligen Gründungszweck erinnern. Vor 1891 stellten in der Schweiz nämlich rund 40 Geschäftsbanken «Banknoten», also das Papiergeld her, was zu einem veritablen Finanzchaos führte. Bei der Volksabstimmung vom 18. Oktober 1891 hat das Volk dann entschieden, dass es den Banken verboten ist, Geldscheine zu drucken. Der Souverän folgte damit der Empfehlung der Liberalen, der «Neuen Zürcher Zeitung» und des Bundesrates. Der damalige Bundesrat schrieb: «Es wurde stets anerkannt, dass es im Hinblick auf die Souveränität leichtsinnig wäre, ein Kreditinstrument wie das einer Emissionsbank in die Hände einer Finanzoligarchie zu legen, ihre Mittel an sie abzugeben und damit zu ermöglichen, dass das öffentliche Interesse versklavt und privaten Interessen geopfert wird.»

Inzwischen stellen die privaten Geschäftsbanken – zum grossen Teil in ausländischem Besitz – wiederum die Mehrheit unseres Geldes her, für das wir alle Zinsen zahlen und Sicherheiten leisten müssen: das elektronische Geld auf unseren Konti. Es wird per Mausklick virtuell aus dem «Nichts» hergestellt (blosse Bilanzverlängerung) und macht heute 90 Prozent der nationalen Geldmenge aus. Die Geschäftsbanken stellen also selber Geld her, mit dem sie einkaufen können (Immobilien, Aktien, Gold etc.).

Thomas Jordan als Vorsteher einer Institution, die dem öffentlichen Interesse verpflichtet ist, befürwortet diese Privatisierung der Geldherstellung, indem er die Vollgeld-Initiative ablehnt. Vielleicht hat er bereits ein Jobangebot bei einer grossen Privatbank – oder von Blackrock? Wir wissen es nicht, was er nach seiner Zeit als Präsident der SNB machen wird.

Immerhin ist sich der Bundesrat bewusst, dass er den Souverän längst privaten Interessen ausgeliefert hat. Er schrieb 1999 in seiner Botschaft zum Bundesgesetz über die Zahlungsmittel: «Guthaben bei einer Gross-, Kantonal- oder Regionalbank oder gar bei einer Kreditkartenorganisation sind etwas genuin anderes als Guthaben bei der SNB, die als einzige Institution im Lande autonom Geld schöpfen darf.»

Die Vollgeld-Initiative ist weder ein Hochrisikoexperiment noch eine Revolution, sondern stellt den Zustand her, wie ihn die Bundesverfassung Art. 99 verlangt und von dem alle denken, dass er schon so wäre; alle unsere Schweizer Franken kämen von der Schweizer Nationalbank. Das eigentliche Experiment ist das gegenwärtige Geldsystem, wie man seit dem Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise 2008 unschwer erkennen sollte. Das gegenwärtige System wurde durch die Auflösung der Golddeckung in den 1970ern sukzessive und ohne demokratische Legitimation umgebaut und ist weder haltbar, gerecht noch sicher wie die Internationale Bankenaufsicht unlängst warnte.

Schade, wollen die politisch Verantwortlichen diesen Missstand (noch) nicht erkennen, sondern lassen sich in einer für eine Demokratie essenziell wichtigen Frage vor den Karren privater, sogar ausländischer Interessen spannen. Mehr noch, es werden sogar Falschinformationen verbreitet. Wir haben Beschwerde eingereicht.

Die Vollgeld-Initiative verlangt, dass die Nationalbank unser Geld herstellt (Münzen, Noten, elektronisches Buchgeld) und die Banken es verleihen, aber nicht mehr auch noch selber herstellen dürfen. Ist das so schwierig zu verstehen?

Thomas Brändle, alt Kantonsrat FDP, Autor, Unternehmer, Mitglied des Initiativkomitees, Unterägeri

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.