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Das kuriose Plakat, das die Holländer magisch anzieht

«Wir hübschen die Wände auf», Ausgabe vom 8. Februar (Fasnachtszeitung «Ohrengrübel»)
Fredi Businger, Kulturschaffender, Stans

Der Artikel im «Ohrengrübel» vom Schmutzigen Donnerstag hat mich sehr amüsiert. Tatsächlich hat der Bürger zu diesem Thema, ausser dem medienwirksamen Ausrufen des Baudirektors zu den hellen Lärmschutzwänden in Buochs, nichts mehr vernommen. Nach Mitteilung der Ohrengrübel-Redaktion hat nun eine Arbeitsgruppe der Baudirektion die Lösung gefunden: «Wir haben nun beschlossen, die touristischen Tafeln an der Autobahn abzuschrauben und an den hässlichsten Stellen der weissen Lärmschutzwänden in Buochs wieder zu montieren.»

Das finde ich auch gute Idee. Das brächte nämlich den Vorteil, das wir Nidwaldner Autofahrer wenigstens auf der Autobahn von den fragwürdigen Tourismusportraits entlastet würden. Auf den Kantons- und Gemeindestrassen werden wir ja zurzeit eh gezwungen, unfreiwillig eine Überdosis «Nidwaldner-Polit-Portrait-Kunst» zu ertragen.

Aber zurück zu den Lärmschutzwänden. Der Ohrengrübel hat uns mit einer Fotomontage der sechs Plakaten gezeigt, wie schön das mit der spätbarock-klassizistischen Buochser Kirche im Hintergrund aussehen könnte. Ich habe mich gewundert, wie die touristischen Affichen gekonnt originalgetreu reproduziert wurden. Normalerweise greifen die Ohrengrübel-Redaktoren bei solchen «Gschpässli» zum Schminkstift. Dass sie die Plakate aber nicht verfremdet haben, liegt wohl daran, dass sie die Tourismus-Affichen so oder so für eine Lachnummer halten. Das wiederum wäre aber mit der Meinung der NZ-Redaktion nicht identisch. Die Zeitung hat uns doch im vergangenen Jahr so lückenlos und umfassend über diese Touristik-Aktion informiert. Es war eine Berichterstattung über «das Nidwaldner Kulturereignis des Jahres» überhaupt. Die Zeitung berichtete bis in die Kommentarspalte, in einer Dichte und Ausdauer, wie das die Nidwaldner seit der Wellenberg-Debatte nicht mehr erlebt haben.

Ein Plakat aber (das siebte, das Highlight der Serie) haben uns die Redaktoren bei der Fotomontage im Ohrengrübel vorenthalten. Warum wohl? Hier ein Versuch, die Marketing-Idee des Highlight-Plakates zu interpretieren: Das Bild zeigt einen schwörenden Nidwaldner im grünen Hemd. Im Mund hat er eine heraldisch stilisierte, grüne Tulpe. Die sind sehr selten und vor allem giftig. Oben links befindet sich ein gefaltetes, grünes Zierband mit dem Aufdruck: Seit 1291.

Jetzt ist mir alles klar. Die Volkswirtschaftsdirektion will mit ihrer Aktion doch die Holländer ansprechen. Wenn die nämlich mit ihren Wohnwagen durch die Kennel und Tunnels im Kanton fahren, sehen sie plötzlich das kuriose Plakat. Mit der deutschen Sprache und der Geschichte der Eidgenossenschaft nicht so vertraut, interpretieren sie die Zahl oben links mit Zeit 12.91. Nach einem kurzem Blick auf die Digitalanzeige, stellen sie aber fest, dass da den Nidwaldnern scheinbar die Zeit stehen geblieben ist. Im letzten Moment realisieren sie noch die giftige Tulpe, da zündet es, sie bremsen abrupt. Sie versuchen die nächste Ausfahrt ja nicht zu verpassen, denn ein solch seltenes Tulpenfeld in Nidwalden möchten sie sofort mit ihrem iPhone fotografieren und als Höhepunkt der Ferienerlebnisse nach Hause nehmen. Scheinbar funktioniert die Idee, denn mir scheint, ich hätte an der Fasnacht auffallend viele Holländer gesehen.

Fredi Businger, Kulturschaffender, Stans

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