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Dem Bankgeheimnis muss nachgetrauert werden

«Die Flucht der Steuersünder hält sich in Grenzen», Ausgabe vom 11. Juli

Der Artikel zeigt leider nur auf, wie wenig der Autor über die Zusammenhänge des Bank­geheimnisses Bescheid weiss. Zuerst sei mal darauf hinge­wiesen, dass das Bankgeheimnis zum Schutze des Einzelnen vor dem übermächtigen Staat kreiert wurde. Dieser Bedarf ist auch heute noch vorhanden, man denke nur an all die Kunden aus Südamerika, Afrika, den zentralasiatischen Staaten usw. Viele dieser Kunden kamen nicht in die Schweiz aufgrund von Steueroptimierung, sondern um ihr Geld im Falle eines Regierungswechsels oder dramatischen wirtschaftlichen Veränderungen zu schützen.

Dann haben wir die Kunden aus unseren Nachbarländern. Viele von ihnen sind Besitzer eines KMU und wollten für den Fall eines geschäftlichen Verlustes noch einen «Safe Haven» ­haben. Ich sehe für all diese Kunden sehr wohl einen Grund für Trauer, dass es das Bankgeheimnis nicht mehr gibt. Die im Artikel aufgeführten Zahlen zeigen nur auf, was wir für die EU tun. Was der automatische Informationsaustausch aber für Schweiz an Gutem bringt, kann der Autor nicht aufzeigen. Kann er auch nicht, da es nichts Gutes gibt. Er bestätigt, dass rund 10 Prozent der Vermögen bereits abgeflossen sind. Wenn man noch die ­Effekte von Börsenkursveränderungen berücksichtigt, ist der Abfluss wohl grösser als 15 Prozent.

Die grösste Veränderung erwähnt der Autor aber nicht. Die Kunden zahlen heute massiv ­weniger als unter dem Bankgeheimnis. Da kommen nochmals mehr als 20 bis 30 Prozent an Einkommensverlust dazu. Und wer bezahlt nun die Zeche? Das sind zuerst mal die Bankangestellten. Und dabei rede ich nicht vom Topmanager, sondern vom Backoffice-Angestellten mit KV-Lehre. Viele haben schon aufgrund der ohne Bankgeheimnis viel leichter durchzuführenden Automatisierungen und Outsourcings den Job verloren, die nächsten werden kommen. Den Rest bezahlen wir alle. Denn die Banken müssen und wollen ihre Grundkosten abgedeckt haben. Es ist nicht Zufall, dass die Banken jetzt wieder diese Kleinkosten-Seuche eingeführt haben.

Nein, es gibt viele Gründe für uns Schweizer, dem Bankgeheimnis nachzutrauern. Gewinner sind nur die ausländischen Regierungen.

Stefan Betschart, Cham

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