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Der Mensch und sein Wert

«Freiheitsentzug – in über 600 Fällen», Ausgabe vom 30. Januar
David Kiser,

Die Zahl der fürsorgerischen Unterbringungen im Kanton Luzern ist zunehmend – immer mehr Menschen werden in die kantonale Psychiatrie Lups gegen den eigenen Willen eingeliefert – weil ihr Lebensstil normabweichend ist und nicht den gängigen Mustern entspricht. Mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ist eine ausführende Instanz da. Diese handelt meist sehr schnell und ohne grosses Wenn und Aber, sobald eine Gefährdungsmeldung eingeht. Das ad hoc initiierte und durchgeführte ärztliche «Gutachten» ist dann nur noch eine Massnahme «pro forma», die eben keine gesetzliche Hürde zum Schutz des Patienten ist. Sie ist vielmehr eine gesetzliche Brücke für die Instanzen Kesb und Polizei, damit diese offiziell und amtlich bescheinigt Recht behalten. Hinter diesen legislativen Instrumenten, Gesetzen und Paragrafen aber geht es um etwas viel Zentraleres: ein philosophisches Kernproblem. Die heutige Gesellschaft ist so aufgebaut, dass sie den Wert eines jeden Menschen entäussert. Dieser entäusserte Wert eines Menschen wird symbolisiert durch das Kapital, das er sich zu erwerben hat, um eben seinen Wert – nicht weniger als seine Daseinsberechtigung – zu verdienen.

Seinen Wert muss sich der Mensch durch die Lohnarbeit zurückholen. So schafft die Gesellschaft eine Koppelung von Mensch und Kapital. Der Mensch, wenn nicht geistig erwacht, wird sich so zeitlebens geistig innerhalb dieser Koppelung befinden. Er wird sich mit dem erworbenen Kapital identifizieren und seine Daseinsberechtigung damit legitimieren.

Seinen Wert hat er ans Aussen verloren, und er wird es auch wieder im Aussen einlösen – durch den Konsum. Der weltweit hohe Ressourcenverbrauch gründet eben in dieser Koppelung von persönlichem und äusserlichem Wert. «Sie trinken und werden doch nie satt», wie es Jesus sagt. Durch die soziale Pflicht der entäusserten Arbeit zum Zwecke des Kapitalerwerbes, vergibt sich die Gesellschaft selbst eine der kostbarsten Ressourcen überhaupt: Die Menschen können das in ihnen angelegte Genie nicht ausleben, weil sie schlicht keine Zeit dafür haben. Stattdessen hat die Entäusserung ihres Wertes ein Loch geschaffen, das immer mehr Konsum nach sich zieht und doch dieses Loch nie zu füllen vermag.

David Kiser, Rothenburg

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