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Die Steuerprogression muss flacher werden

«Manchmal ist weniger mehr», Ausgabe vom 21. April
Felix Zulauf, Zug

In einer Antwort auf meinen Leserbrief macht es sich Martin Iten-Iten etwas gar einfach. Offensichtlich hat er noch gar nicht gemerkt, dass er in der Tat von den Millionären im Kanton lebt, denn diese finanzieren weitgehend den Staat, was statistisch relativ einfach zu belegen ist. Ich gehe mit ihm zwar einig, dass es im Leben wichtigere Dinge als Geld gibt, und bin auch der Meinung, dass alles, was glücklich macht, nicht gekauft werden kann – Gott sei Dank!

Aber man kann keine Steuerdebatte führen, ohne über Geld zu sprechen. Natürlich ist Zug ein wunderschöner Kanton, der viel zu bieten hat. Aber ich erinnere an die Zeit vor dem 2. Weltkrieg, als der Kanton Zug in allen Finanzstatistiken der Eidgenossenschaft oft das Schlusslicht und ein armer Kanton war. Will der Leserbriefverfasser wirklich dorthin zurück? Und ist er sich bewusst, wie viel mehr Steuern er dann bezahlen müsste? Ein bisschen Nostalgie ist ja verständlich, aber damals war Zug völlig unattraktiv. Glaubt er denn wirklich, dass der Aufschwung zum wohlhabendsten Kanton wegen der Kirschbäume und der schönen Landschaft erfolgt ist? Die waren doch schon vorher da. Es war die weitsichtige und attraktive Steuerpolitik, die so viele Alteingesessene im Kanton reich gemacht, viele Unternehmer angezogen und damit attraktive Arbeitsplätze geschaffen hat. Und damit nahm die Geschichte ihren Lauf.

Es ist verständlich, dass die hohe Politik in ihrem Agieren immer auf das Stimmvolk schaut – das ist auch richtig so. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Demokratie auch in gewissem Sinne die Knechtschaft der Mehrheit über die Minderheit ist und diese Mehrheit sich laufend via Politik immer mehr staatliche Leistungen zuteilt, die die Minderheit in Form von hohen Steuerbe­trägen bezahlen muss (steile Steuerprogression). Deshalb wünsche ich mir durchaus, dass die Steuerprogression im Kanton etwas flacher wird und die Vermögenssteuer auch für Wohlhabende reduziert wird, wie das die FDP gefordert hat. Dies nicht zuletzt auch deshalb, damit sich alle bewusst werden, dass jedes an den Staat gerich­tete Begehren (das viele für so absolut selbstverständlich nehmen) Geld kostet, das zuerst verdient werden muss. Denn wenn die Wohlhabenden Zug verlassen sollten, dann findet sich Zug plötzlich wieder dort, wo es schon einmal war – trotz wunderschöner Landschaft und herrlichen Kirschbäumen. Wir sind in der Demokratie punkto Steuerpolitik an einem Punkt, wo die Mehrheit die Minderheit nicht mehr weiter belasten darf, sonst kippt so manches, was sich viele noch gar nicht vor­stellen können.

In diesem Sinn zitiere ich den schottischen Richter und Historiker Alexander Fraser Tytler (1747–1813), der zum Thema sinngemäss und treffend gesagt hat: «Die Demokratie kann kaum als permanente Regierungsform existieren, denn eines Tages entdeckt eine Mehrheit, dass sie sich aus der staatlichen Schatztruhe, die andere füllen, laufend bedienen kann.»

Felix Zulauf, Zug

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