Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Eine Nacht in Gewahrsam wäre gut gewesen – zur Gewissensprüfung

«Bei Raiffeisen schrillen die Alarmglocken», Ausgabe vom 3. März
Ueli Krasser, Hagendorn

Die Luft wird dünn für Patrik Gisel von Raiffeisen. Eine Seemanns-Regel heisst: Bei sinkenden Schiffen soll der Kapitän als Letzter von Bord. Im Finanz- und Dienstleistungssektor ist wegschauen und verschleiern gross in Mode. Deshalb sollten hier fehlbare Kapitäne zwecks Schadensbegrenzung jeweils sofort gehen. Und dem ganzen Management inklusive Verwaltungsrat von der Bank Raiffeisen – sowie von der Postauto AG – sei ein Kurs in Compliance (auf gut deutsch «Einhaltung von Regeln») wärmstens empfohlen. Compliance hat stark mit Anstand und Respekt gegenüber Kunden und Mitarbeitenden zu tun. Aber in vielen Chefetagen scheint diese Tugend seit Jahren vernachlässigt zu werden.

Ueli Krasser, Hagendorn

Nun schiessen sich alle Medien auf Pierin Vincenz ein und schreiben den allertiefsten Fall des Starbankers herbei. Strafverfolgungsbehörden untersuchen den Straftatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Unverständlich, dass nicht schon früher genau hingeschaut worden ist. Man erinnert sich an die unsäglichen und unfähigen Operateure auf dem Finanzplatz wie Hüppi, Ospel, Kurer, Mühlemann, Wellauer und die Swissairbestatter und die angesehene Finanzplatzikone Rainer E. Gut und Nationalrat Bremi an der Schnittstelle Banken und Politik, die zugelassen haben, dass Milliarden durch deren Protegés verdampft worden sind. Beim Verkauf der Winterthur haben viele Beteiligte auf den Teppichetagen ihre geldgierigen Händchen hingehalten. Sie hinterliessen gesellschaftspolitische Bruchlinien und enorme unternehmerische Reparaturfelder und beschädigten das Image des Finanzplatzes und das internationale Ansehen unserer Schweiz. Und ihre Nachfolger haben den grossen Kollateralschaden abzutragen. Zudem sind sie alle mit Millionenabfindungen und Renten heute ohne schlechtes Gewissen auf dem Golfplatz oder haben im Filz neue Managerposten gefunden.

Schade, dass erst mit Vincenz die allgemeine Empörung der Medien aufkommt und die Strafverfolgungsbehörden eingreifen. Hinschauen hätte sich schon bei all diesen unfähigen und geldgierigen, bonusgetriebenen Managern gelohnt. Leider konnte diesen kein Vorsatz oder keine Absicht für eine ungetreue Geschäftsbesorgung nachgewiesen werden. Sie gingen straffrei aus, ohne je die Verantwortung für die verursachten Schrottfelder zu übernehmen. Eine Nacht in Justizgewahrsam hätte einigen Abzockern zur Gewissensprüfung und Reue gutgetan.

Roger E. Schärer, Feldmeilen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.