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Eine solche Aussage entspringt «entfernter Wahrnehmung»

«Es geht uns um das Wohl der Kinder», Ausgabe vom 9. Januar

Dass die Empfehlung des Gemeinderates, die Schule Finstersee zu schliessen, auf sorgfältigen Überlegungen basiert, ist schwer zu glauben. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass es sich um mangelnden Weitblick handelt. Durch ein breit abgestütztes Mitwirkungsverfahren wurden 2016 Lösungsmöglichkeiten für die Schulraumplanung gesucht. Es kam klar zum Ausdruck, dass die Schule Finstersee erhalten bleiben soll. Dass man diese Erkenntnisse respektieren wollte, hat für den Gemeinderat offensichtlich keine Gültigkeit mehr. In all den Jahren ist es dem Rat nicht gelungen, Visionen für das Dorf zu entwickeln. So gibt es gemäss Gemeindepräsident Peter Dittli keinen Plan, was auf dem Grundstück nach einem allfälligen «Aus» der Schule geschehen soll. Den Spielplatz, der ja ein Schulhausplatz ist und weitgehend durch die kreative Lehrerin entwickelt wurde, möchte man bestehen lassen – nur sind ja dann die Kinder weg. Fragt sich, wozu dann der Spielplatz sein soll. Den bestehenden Gemeinschaftsraum, der über dem ehemaligen Feuerwehrgebäude liegt, möchte man auch erhalten. Leider ist dieser nur über eine Treppe erreichbar und für Gehbehinderte nicht geeignet. Unter Einbezug der Bevölkerung will der Gemeinderat nach einer allfälligen Schulschliessung den Verwendungszweck der Liegenschaft prüfen. Was mit so erarbeiteten Ergebnissen geschieht, ist mittlerweile bekannt. Wie das Wohl der Kinder von Finstersee idealer Weise aussehen soll, müsste den Stimmbürgern erklärt werden. Dies könnte von Schülerinnen und Schülern erledigt werden. Die budgetierten Kommunikationsfachleute könnte man sich hier sparen. Glücklicherweise werden so alle erfahren, dass auch ein neues bescheidenes «Multifunktionsschulhaus» mit darüberliegenden Wohnungen nicht unerschwinglich ist, viele Bedürfnisse abdeckt und weiterhin das einzige Schulhaus in der Gemeinde sein könnte, das dank den Mietzinseinnahmen eine positive finanzielle Bilanz hat und dank der identitätsstiftenden Funktion auch eine positive soziale Wirkung hat.

Silvia Capol, Finstersee

«Es geht uns um das Wohl der Kinder.» Zynischer könnte die Aussage nicht lauten und kann nur aus weit entfernter Wahrnehmung entspringen. Im Wissen, dass mit der Abstimmung über die Schule Finstersee auch emotionale Argumente mitbestimmen, wird nun versucht, diese umzudeuten. Und das führt zu geradezu grotesken Aussagen: Der Gemeinderat stehe «in der Pflicht», die hohe Qualität der Schulen zu erhalten und zu optimieren. Im Abstimmungsbüchlein wird gar argumentiert, für «pädagogisch sinnvollen Unterricht» brauche es eine gewisse Anzahl von Schülerinnen und Schülern. Wie müssen sich da die Lehrerin und ihr Team mit solchen Aussagen vorkommen? Führen sie doch eine mustergültige, bodenständig moderne Schule, zur höchsten Zufriedenheit der Kinder und Eltern.

Schwankungen bei den Schülerzahlen sind kleinräumig eine unbestrittene Tatsache. Doch nur, weil mal die Klassengrösse unter dem Durchschnitt liegt, gleich einen traditionell 210-jährigen Schulstandort aufzuheben, ist kurzsichtig und bedroht einen noch blühenden Ortsteil existenziell in seiner Weiterentwicklung.

Zu den Fakten: Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre gingen 16,8 Schüler in Finstersee zur Schule, in den vorangehenden acht Jahren, welche für die Schulraumplanung erhoben wurden, waren es 20,75, also mehr als 20 Schülerinnen und Schüler. Und schon für das nächste Schuljahr stehen sechs Kinder aus dem Kindergarten an (ohne das in der International School). Bei vier Abgängen beträgt die Schülerzahl im nächsten Schuljahr 15. Und auch in den Folgejahren bis 2021/22 sind es pro Jahrgang 14 Kinder, welche die Schule in Finstersee besuchen möchten. Also klar über der im Artikel genannten Mindestzahl von 12 Schülerinnen und Schülern.

Da stellt sich die Frage, warum nur möchte der Gemeinderat die Schule Finstersee schliessen? Warum Halbwahrheiten statt einer ehrlichen Antwort? Es würde dem viel gerühmten Bildungsstandort Menzingen schlecht anstehen, rein aus Kostengründen eine Schule zu schliessen. Auch wenn selbst diese Kostenrechnung, unter dem Aspekt des Finanzausgleichs, zu einem bösen Erwachen führen wird, der Imageschaden für unsere Gemeinde dürfte weit höher sein. Mit umsichtiger Fürsprache konnten im Kantonsrat seit der Jahrtausendwende, als die drei Seminare für Lehrerinnen und Lehrer ausgedient hatten, unsere Amtsträgerin und Amtsträger eine kantonale Mittelschule in Menzingen erhalten. Über das Provisorium mit dem KGM zum heutigen Providurium mit der Kantonsschule Menzingen.

Da kommt mir Finstersee als «Klein Menzingen» vor: Was dort im kleinen Dörfchen abläuft, kann bald auch im ganzen Dorf Menzingen ablaufen. Überlegen Sie, geschätzte Leserschaft, wie war das bis anhin? Nehmen wir uns ein Beispiel an den engagierten Finsterseerinnen und Finsterseern, die ihre Werte erkennen, zusammenstehen und für einen Fort- und Weiterbestand einstehen.

Josef Marty Lehrer, alt Kantonsrat, Menzingen

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