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Es heisst Freiburg, nicht Fribourg

«Nach dem Eklat die Feier», Ausgabe vom 24. November
Meinrad Huser, Zug (früher Belfaux Fr)

Am 24. November widmete sich Antonio Fumagalli in der «Zuger Zeitung» der Freiburger Dominanz in Bundesbern mit Alain Berset, dem Bundespräsidenten, und Dominique De Buman, dem Nationalratspräsidenten.

Als langjähriger Einwohner von Freiburg hat mich der Blick in den Freiburger Alltag sehr gefreut. Antonio Fumagalli spricht Typisches aus dem Freiburgerland an. Er erwähnt auch die Position Freiburgs an der Sprachgrenze und dass «Fribourg» ein Brückenkanton sei. Er unterlässt es, diese Aussagen zu vertiefen. Mit wenig Aufwand hätte er aber erkennen können, dass weder der Kanton noch die Hauptstadt in offiziellen deutschen Texten «Fribourg» lautet. Der Kanton ist seit je – auch in der Bundesverfassung –als Freiburg beziehungsweise Fribourg benannt. Dies gilt seit einigen Jahren auch für die zweisprachige Hauptstadt. Die unsensible Verwendung der französischen Bezeichnung im deutschen Text schmerzt umso mehr, als mich die Sprachenfrage als Präsident der Deutsch-Freiburgischen Arbeitsgemeinschaft (DFAG) – einem Verein mit kulturellem und sprachpolitischem Zweck – vom Ende der Siebzigerjahre bis in die neueste Zeit intensiv begleitete. Die Gleichberechtigung der Deutschsprachigen im Sense- und See­bezirk sowie in der Stadt und weiteren gemischtsprachigen Gegenden war in Freiburg lange nicht gewährleistet. Französischsprachige Freiburger befürchteten bei einer Anerkennung der deutschen Sprache als Amtssprache eine «Germanisation», das heisst eine Verschiebung der Sprachgrenze infolge von Zuwanderung Deutschsprachiger in französischsprachige Gemeinden. Es kam zur Gründung der Communauté Ro­mande du Pays de Fribourg (CRPF), die sich für eine strikte Anwendung des Territorialitätsprinzips einsetzte, also die Sprachgebiete fix abgrenzen wollte und vor allem keine zweisprachigen Gemeinden duldete.

Erst im Jahr 1980 wurde die deutsche Gesetzessammlung der französischen Ausgabe gleichgestellt, vorher liess die Verfassung (gütigerweise) die Gesetze in deutscher Sprache als Übersetzung zu. Und es dauerte Jahre, bis die Hauptstadt offiziell als «Freiburg» anerkannt und dies viel später im Bahnhof noch mit dem Doppelnamen Fribourg/Freiburg offiziell nach aussen kundgetan wurde. Die Auseinandersetzung der Sprachgruppen beruhigte sich erst mit der total revidierten Verfassung im Jahre 2004. Diese lässt flexible Sprachgrenzen und zweisprachige Gemeinden zu, sofern sie eine bedeutende angestammte sprachliche Minderheit Französisch- oder Deutschsprachiger umfassen. Das Territorialitätsprinzip muss jedoch gewahrt werden.

Die beiden neuen Freiburger Würdenträger in Bern waren – aufgrund ihres Alters – mit der Sprachenfrage unterschiedlich befasst: Dominique De Buman hat die Sprachenfrage als Stadtpräsident von Freiburg hautnah erlebt. Er hatte die Forderung der deutschsprachigen Bevölkerung bestens verstanden, die Umsetzung der Anliegen – wohl aus politischem Kalkül – jedoch nicht weiter vorangetrieben. Alain Berset war mit dem «Sprachenstreit» nicht oder erst kurz vor dem Erlass der neuen Kantonsverfassung in Kontakt gekommen. Er stammt aber aus einer Familie, die jederzeit für die Gleichbehandlung der Sprachgemeinschaften offen war. Dies hat ihn geprägt.

Meinrad Huser, Zug (früher Belfaux FR)

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