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Leserdebatte

Fair-Food-Initiative: Würden Konsumenten verlieren oder gewinnen?

«Ernährung: Wir wissen, was gut ist», Ausgabe vom 27. August

Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse prognostiziert bis zu 50 Prozent teurere Lebensmittel, sollte die sogenannte Fair-Food-Initiative am 23. September angenommen werden. Ob es nun 50 Prozent oder auch nur 30 Prozent sind, beides ist schlecht. Es ist leider zu befürchten, dass der Lebensmittel-Einkaufstourismus ins nahe Ausland dadurch einen gewaltigen Auftrieb erfahren wird. Und diese selbst importierten Lebensmittel werden eventuell weniger fair (gemäss Initiative: «Gute Qualität, sicher, umwelt- und ressourcenschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt») produziert, als wir uns dies wünschen. Somit würden alle verlieren: Die Initianten, die Wirtschaft (Lebensmittelverarbeitendes Gewerbe, Gastronomie, Handel, Vertrieb), die Umwelt und vor allem auch unsere heute schon nach hohen Standards produzierenden Bauern. Und schlussendlich die Konsumenten; also wir alle.

Heidi Scherer Kantonsrätin FDP, Meggen


Selbstverständlich ist es der Luzerner Zeitung unbenommen, sich im Abstimmungskampf um die Ernährungsinitiativen auf die Seite der Gegner zu schlagen. Balz Bruder ortet in seinem Kommentar «übergriffiges» Regulieren und «verordnetes schlechtes Gewissen» von Seiten der Initianten. Doch Journalismus, der belegte Fakten ignoriert, widerspiegelt eine zutiefst zynische Haltung. Tatsache ist, dass die Schweiz mit Abstand am meisten Nutztiere pro Hektar Boden in ganz Europa aufweist. Die anfallenden Ausscheidungen können nur zu einem Bruchteil von den Böden aufgenommen werden. Der Nitratgehalt des Grundwassers ist vielerorts gesundheitsschädigend zu hoch, Seen im Kanton Luzern müssen seit Jahrzehnten, leider ohne nachhaltigen Erfolg, mit Millionenaufwand belüftet werden. Rund 2000 Tonnen Pestizide werden der Natur in der Schweiz jährlich zugeführt.

Bodenbewuchs in Rebbergen wird nicht nur unter den Rebstöcken, sondern auch grossflächig mit Herbizideinsatz der Garaus gemacht. Die Abstimmenden werden die erschreckenden gesundheitsschädlichen Befunde eines verfehlten Landwirtschaftens zu würdigen wissen.

Werner Jöri, alt Nationalrat SP, Ennetbürgen


Wenn wir die Fair-Food-Initiative und die erweiterte Ernährungssouveränitätsinitiative annehmen, wird unser Menüplan in Zukunft über die Verfassung vorgegeben. Ziemlich absurd, vor allem wenn wir immer auf den Abbau der Bürokratie und unsere Eigenverantwortung pochen. Obwohl ich mich meist saisonal ernähre und Gemüse und Obst im eigenen Garten anpflanzen kann, möchte ich mir vom Staat nicht vorschreiben lassen, was ich in Zukunft noch essen darf. Ich lehne beide Initiativen aus Überzeugung ab, denn ich will keine neuen Einschränkungen, weder für die Landwirtschaft noch für den Handel und schon überhaupt nicht für die Konsumentinnen und Konsumenten.

Ida Glanzmann-Hunkeler, Nationalrätin CVP, Altishofen


Herr Bruder unterstellt den Grünen, die Bürgerinnen und Bürger bevormunden zu wollen. Dies vollkommen zu Unrecht. Die Fair-Food-Initiative fordert stattdessen, dass das Angebot an Produkten gefördert wird, die unter fairen Arbeitsbedingungen und umweltfreundlich hergestellt werden. Auch die Konsumentinnen und Konsumenten möchten mit gutem Gewissen ihre Lebensmittel einkaufen. Dies ist verständlich: Die Herstellung von Nahrungsmitteln hat einen grösseren Einfluss auf die Klimabilanz als alle Transportmittel zusammengerechnet. Die Fair-Food-Initiative fördert lokale, saisonale und auch andersweitig umweltfreundlich hergestellte Lebensmittel im In- und Ausland. Dies, indem bei den Importen dieselben Standards eingehalten werden müssen wie bei den Schweizer Produkten. Aber auch soziale Standards sollen eingehalten werden. So sollen Bauern im In- und Ausland von fairen Preisen profitieren, um schliesslich von ihren Erträgen leben zu können. Wenn das Essen aus fair und umweltfreundlich produzierten Lebensmitteln zubereitet wird, schmeckt es gleich doppelt so gut. In diesem Sinne ist ein klares Ja zur Fair-Food-Initiative zu empfehlen.

Carlo Schmid, Luzern, Vorstand Grüne Kanton Luzern

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