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Hat Stadtbaukommission am Obergrund richtig gehandelt?

«Fall Obergrund – Protokoll des Scheiterns», Ausgabe vom 5. Juli
Bruno Hermann Blättler, Architekt Fh Sia, Luzern

Die Berichterstattung zum Fall Obergrund ist unverständlicherweise sehr unkritisch gegenüber der Mass- und Stillosigkeit des Bodum-Projektes. Tatsächlich ist es an der Zeit, der Stadtbildkommission einen Dank auszusprechen, nicht vor wirtschaftlichen Interessen einzuknicken und sachgerecht zu entscheiden. Unser Stadtbild kann nicht der Beliebigkeit ausgesetzt werden, das wäre der Anfang des kulturellen Niederganges.

Das Gebäude vermag in keiner Hinsicht den städtebau­lichen Kriterien an diesem sensiblen Ort zu genügen. Wenn auch im ersten Moment die doch nette Erscheinung mit französischem Charme einen Jöö-Effekt zu entlocken vermag, gilt es doch, besonnen zu überlegen: Wie weit stösst dieses Gebäude an seine eigenen Grundstücksgrenzen, was bleibt vom grosszügigen Garten übrig? Ist das noch eine Villa im Park, oder werden die Nachbarn eingeklemmt? Ist das Haus auf die Obergrundstrasse ausgerichtet, wie es die im Kontext wichtigen Nachbarn auch sind? Ist die Gliederung adäquat zum Bestand oder mindestens intelligent interpretiert? Ist die Architektur ortsspezifisch (oder beliebig)? Ist ein pseudofranzösischer, historisierender Stil an der Obergrundstrasse richtig? Ist das Objekt ein kultureller Beitrag, eine positive Klärung, eine Stärkung des Ensembles? Ist die vorgesehene Nutzung verhältnismässig im Quartier?

Da bereits diese Fragen alle mit Nein beantwortet werden können, dürfen wir froh sein, dass wir an der Obergrundstrasse nicht Hollywood zulassen müssen. An alle Bauwilligen und unkritischen Journalisten: Es ist nicht Aufgabe der Stadtbildkommission gute Architektur zu machen (im besten Fall kann sie ungenügende Projekte auf den richtigen Weg bringen oder verhindern), gute Architektur braucht gute Architekten und vor allem offene Bauherren. Der Wermutstropfen bleibt: Das Dach der Liegenschaft belässt der Eigentümer offen, es regnet hinein. Wertvolle Substanz geht kaputt.

Bruno Hermann Blättler, Architekt FH SIA, Luzern

«Renoviert 1978 ohne Denkmalpfleger – Baudirektor – Stadtarchitekt – Subventionen», ist am Löwengraben an einem Gebäude in gotischer Schrift zu lesen. Und dieses – nebst einem anderen auf der gegenüberliegenden Seite, mit einer noch aussagekräftigeren Inschrift – ist tadellos renoviert worden.

So ein glückliches Schicksal ist der Obergrundvilla und der Firma Bodum nicht gegönnt. Wohnraum zu schaffen, ist offenbar nicht erwünscht, schon gar nicht, wenn ein Name wie Norman Foster in einem Plan auftaucht! Das riecht nach Luxus-Eigentum!

Die im Artikel beschriebenen Irrwege der Stadtbaukommission (SBK) sind schlicht unglaublich! Das kommt mir vor wie in einer Tanz-Audition für das Musical «Chorus Line»: Man ist immer zu dick, zu dünn, zu gross, zu klein, nicht blond genug, hat keinen genügend traumatischen Werdegang. Was aber genau erwünscht ist, bleibt schleierhaft – beim Casting verständlich, hier unakzeptabel. «Französischer Baustil» wird da vorgeworfen ... dümmer geht es nicht mehr! Ein Gebäude, an einer Autobahnausfahrt liegend, nicht weit weg von einer undefinierbaren Industriezone auf der anderen Seite ... Und da will man einen «anderen» Stil aufzwängen, den man zudem nicht definieren kann! So häufen sich die Kosten für immer wieder neue Eingaben der verlangten Projekte – und als grandiosen Abschluss will man einen Wettbewerb! Da taucht der Verdacht auf, mit dieser Taktik eine Zwischennutzung der Villa für Randständige oder, noch besser, für Flüchtlings­familien erzwängen zu wollen. Was die SBK in den letzten Jahrzehnten verbrochen hat, spricht Bände: ABM/C & A- Gebäude am Kapellplatz, Neubau neben der Hauptpost an der Bahnhofstrasse, UBS-Gebäude Pilatusstrasse ... Auf solche «Experten» und Kommissionen können wir gerne verzichten. Sie verzögern jedes Vorhaben und jagen kompetente, intensiv Steuern zahlende Unternehmer in die Weite. Da ist man nur noch beschämt.

Brigitte Matteuzzi-Weber,

Luzern

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